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		<title>dran.de: Aktuelle Themen</title>
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		<description>Aktuelle Themen</description>
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		<lastBuildDate>Thu, 10 May 2012 08:00:00 +0200</lastBuildDate>
		
		
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			<title>Gott ist sein Arbeitsgeber. Bezahlt wird Alex Z&#246;ller von seinem &#132;Freundeskreis&#147;</title>
			<link>http://www.dran.de//no_cache/dran-service/dran-suchergebnis/artikel/ansicht/184527gott-ist-sein-arbeitsgeber.-bezahlt-wird-alex-zoeller-von-seinem-freundeskreis.html</link>
			<description>Ich bin Sportmissionar. Ich unterstütze Sportler, die schon Christen sind, ihr Christsein im Sport...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext"><b><br />Ich muss gestehen:</b> Ich habe mich nie gefragt, wie sich so eine Missionarsanstellung eigentlich finanziert. Als ich mich mit dem Gedanken befasste, in den vollzeitlichen Dienst zu gehen, war meine Stimmung irgendwo zwischen euphorisch und blauäugig. Es bestand kein Zweifel: Gott würde mich versorgen. Es reichte doch wohl, dass ich der richtige Mann für die richtige Aufgabe war. Wenn Gott mich berufen hatte, dann konnte Geld doch wohl kein Grund sein, dieser Berufung nicht zu folgen. Aber fangen wir vorne an. <b><br /><br />Alles begann 2002</b> mit einem Praktikum und einem ausgehändigten Taschengeld. Über einige Jahre brachte ich mich unentgeltlich in die Sportmission ein, bis ich dann 2004 hauptamtlicher Sportmissionar bei SRS (Sportler ruft Sportler) wurde. Bei meiner Anstellung galt es für mich, drei Hürden zu nehmen. Die erste nannte sich „Person“: Die Verantwortlichen des Werkes berieten nach dem üblichen Bewerbungsprozedere, ob ich der Richtige bin. Die zweite Hürde lautete „Aufgabe“: Passt die zu vergebende Aufgabe auf mich als Person? Sie passte. Doch dann kam die dritte Hürde, und die schien unüberwindbar zu sein: die Finanzierung. Womit wir dann beim eigentlichen Thema wären – das Spendendilemma eines Missionars. <br /><br /><b>Fakt ist:</b> Auch ein Missionswerk wie SRS ist ein Arbeitgeber, wenn auch kein gewöhnlicher. Auch wenn das jetzt den Berufszweig entromantisiert: Als Arbeitgeber hat jedes Missionswerk eine soziale Verantwortung für seine Mitarbeiter, die mit ihrem Gehalt über die Runden kommen müssen. Wie in vielen Betrieben gibt es ein Tarifsystem, an dem sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber orientieren können. Ein solches System und ein vertraglich geregeltes, monatliches Gehalt geben mir Planungssicherheit, die ich heute als Familienvater mehr zu schätzen weiß als noch vor zehn Jahren. Damals musste ich mich nur um mich selbst kümmern, heute habe ich Frau und Tochter. Mein Tarifsystem hat nur einen Haken, der sich an einer ein-prägsamen Regel festmacht: Nur, was an Spenden reinkommt, kann auch als Gehalt ausgezahlt werden. Ganz konkret sah die Finanzierung in der Anfangszeit so aus: Um ein Gehalt von 1.100 Euro ausgezahlt zu bekommen, waren 1.600 Euro an monatlichen Spenden nötig. Und ich würde sie selbst sammeln müssen. <br /><br /><b>Okay, also wie komme</b> ich jetzt an die 1.600 Tacken? Beim Spendensammeln musste ich unweigerlich an die Zirkusleute mit ihrem Lama in der Fußgängerzone denken, die mit ihren Dosen klappern. Und an „Klinkenputzer“. Mir war klar: So kann die Finanzierung einer Missionarsstelle natürlich nicht funktionieren. Wo bleibt da die Zeit für die eigentliche Berufung? In vielen Missionswerken, so auch bei SRS, gilt es, einen „Freundeskreis“ aufzubauen. Diese Freunde werden durch eine monatliche Spende zu Paten der missionarischen Arbeit. Sie verpflichten sich, monatlich einen bestimmten Betrag zu spenden. Durch diese regelmäßigen Spenden kommen dann am Ende des Monats gleichmäßige Spendensummen zusammen, die dann ein regelmäßiges, im Vertrag festgeschriebenes Gehalt ermöglichen. <br /><br /><b>Ich machte mir also</b> eine Liste, überlegte, wen ich anschreiben könnte und schrieb um die vierzig handschriftliche Briefe, in denen ich meine Pläne erklärte, welche Berufung dahinter steht und warum ich auf ihre Unterstützung angewiesen war. Dann begann das Warten. Es dauerte einige Zeit, bis die ersten Antworten kamen. Um es kurz zu machen: am Ende hatte ich die 1.600 Euro zusammen. Wie Gott zu den einzelnen Empfängern meiner Briefe gesprochen hat, weiß ich nicht. Nur, dass es nicht allein an dem liegen kann, was ich geschrieben habe. <br /><br /><b>Ich hatte nun also</b> einen sogenannten „Freundeskreis“. Manchmal habe ich das Gefühl, von diesen Leuten abhängig zu sein – und da ist ja auch was dran. Meist empfinde ich das positiv im Sinne von Dankbarkeit, manchmal aber auch als störend. Von der Freigebigkeit dieser Leute hängt eben mein berufliches und privates Leben ab. Umso wichtiger ist es, die Wahl der Spender nicht dem Zufall zu überlassen, sondern gut im Gebet vorzubereiten. Bei manchen Leuten fühlte ich mich freier das zu tun als bei anderen. Manche Briefe habe ich geschrieben und nie abgeschickt. Warum das so ist, kann ich gar nicht sagen, aber man lernt mit der Zeit, mit diesem „Bauchgefühl“ – oder nennen wir es Reden Gottes – umzugehen. Das führte dann zu folgendem Ergebnis: Es gab Personen in meinem Umfeld, die ich nicht auf eine Patenschaft angesprochen habe, obwohl sie möglicherweise viel Geld haben. Bei anderen hatte ich überhaupt kein Problem, obwohl sie nur wenig verdienten. Einige gute Freunde habe ich nicht gefragt, dafür aber Leute, die ich nur einmal kurz gesehen habe. Fakt ist, mein Freundeskreis wurde zum ständigen Begleiter, Beobachter, Kritiker und Ermutiger meiner Arbeit als Missionar. Und genau das ist wichtig zu wissen, bevor ich jemanden für eine Patenschaft anfrage: Kann ich eine Person überhaupt in dieser Rolle sehen? Was denkt Gott über diese Person? <br /><br /><b>Zu Beginn waren es</b> 27 Paten, die im Durchschnitt 56 Euro im Monat für mich an SRS gespendet haben. Zusätzlich konnte SRS einen Zuschuss für hauptamtliche Übungsleiter beim Sportbund Rheinland beantragen, der mir ebenfalls half, das Geld zusammenzubekommen. Meine Patenschaften zu pflegen, wurde von nun an zu einem wichtigen Teil meiner Arbeit. Ich wusste: Ich müsste sie zu Teilhabern meiner Arbeit werden lassen, um sie für das zu begeistern, was durch sie in Gottes Reich passiert. „Information“ war ein ganz wichtiges Stichwort: Zu erfahren, was durch ihren Beitrag, meine Arbeit und Gottes Wirken geschehen ist, war für sie die Bestätigung dafür, dass sich ihr Engagement lohnte. Manche erhöhten ihren Patenschaftsbetrag auch aufgrund einer guten Berichterstattung. Regelmäßige Besuche und Sonderaktionen zu Weihnachten schafften und erhielten die Beziehungen.<br /><br /><b>Man könnte jetzt</b> vermuten, dass es einfacher ist, sich um wenige Personen zu kümmern, die große Beträge geben. Sich um einhundert Leute zu kümmern, die kleine Beträge spenden, erscheint ja doch sehr aufwendig. Ich wollte es aber nicht bequem haben, sondern die Finanzierung auf möglichst viele Beine stellen. Stell dir vor, du hast nur vier Spender, die jeweils vierhundert Euro spenden. Damit wäre deine Vollzeitstelle finanziert. Gratuliere! Doch was passiert, wenn dich einer dieser Spender, aus welchem Grund auch immer, nicht mehr unterstützen kann? Dann hast du ein Problem, denn vierhundert Euro zu kompensieren ist nicht einfach. Besser ist es also einhundert Leute zu finden, die 16 Euro spenden. Hundert habe ich nicht, und doch waren meine Paten sehr verlässlich und sind es noch immer. Es ist aber auch vorgekommen, dass einzelne Paten ihr Engagement beendet haben – und das immer aus guten Gründen. Dementsprechend war und bin ich dazu angehalten, die Augen nach potenziellen neuen Paten offenzuhalten. Leute, die einen selbst im Dienst erlebt und möglicherweise von einem selbst profitiert haben, sind meist offen für ein Gespräch. Aber auch hier lässt sich keine Regel aufstellen: Ich vermeide es bis heute, mit der Tür ins Haus zu fallen. Der schlimmste denkbare Fall ist der, dass der Betreffende meint, für meinen uneigennützigen Dienst nun doch nachträglich monatlich zahlen zu müssen. Gottes Liebe bleibt leidenschaftlich – daraus mache ich kein Geschäft. <b><br /><br />Um mir den Umgang</b> mit meinen Paten einfacher zu machen, gehen die Spenden bis heute nicht direkt auf mein privates Konto ein, sondern werden an SRS gespendet. Vermerk: Alexander Zöller. Dies geschieht in der Regel über eine Einzugsermächtigung oder einen Dauerauftrag. Das macht es einfacher für mich. Denn wenn die Spenden an SRS gehen und ich ein normales Gehalt gezahlt bekomme, fühle ich mich freier, mit dem Geld zu tun, was ich für richtig halte. Ich gestalte mein Leben und das meiner Familie damit, kaufe ein, gehe ins Kino oder investiere es in einen Satz Gitarrenseiten. Aber auch Leute, die von Spenden leben, spenden einen Teil ihres Geldes. Würde mir das Geld von einem Paten direkt gegeben, hätte ich womöglich das Bedürfnis, mich dieser Person gegenüber zu erklären und Rechenschaft darüber abzulegen, was ich damit mache. Würde ich beim nächsten Treffen mit dieser Person eine neue Jeans tragen und bei McDonald’s an der Kasse stehen, könnte ich seine Gedanken lesen: „Mal sehen was der Herr Missionar mit meinem Geld anstellt ...“ Treffen mit Freunden würden zu einer Tortur. Meine Paten haben verstanden, dass sie mit dem Geld nicht meine Arbeit in dem Sinne finanzieren, dass ich von dem Geld zehn Bibeln kaufen kann, die ich dann verteile, und Menschen zu Jesus finden. Sie geben das Geld, damit mein Gehalt gezahlt werden kann, von dem ich und meine Familie leben. <br /><br /><b>Die Finanzen sind</b> ein wirklich zentrales Thema im Bereich Mission. Meine Familie ist tatsächlich darauf angewiesen, dass Gott uns versorgt. Einige Personen in meinem Umfeld halten es für ein großes Risiko, durch Spenden finanziert zu sein. Doch Tag für Tag, Monat für Monat ist Gott nun mein Arbeitgeber. Seit fast zehn Jahren sorgt er dafür, dass ich, dass wir genug haben. Durch diese Erfahrungen wächst mein Vertrauen in diesen Gott, der von sich sagt, dass er treu ist. Wer diese Erfahrungen noch nicht gemacht hat, mag das für eine riskante Sache halten. Aber: wenn Gott mich nicht versorgen kann, wer dann? Dies tut er manchmal höchst persönlich, meistens jedoch durch liebe Menschen, meine Paten und andere Freunde. Dahinter erkenne ich den großen Wunsch Gottes, den zu segnen, der gibt. Viele Geschichten bestätigen genau das. Ich bete dafür, dass Gott meine Unterstützer weiterhin mit dem Nötigen versorgt, damit sie ihre Patenschaften aufrechterhalten können. <br /><br /><b>Als ich den Betrag</b> genannt bekam, der monatlich reinkommen soll, musste ich erst mal schlucken. Es schien mir völlig unrealistisch zu sein. Doch es war eine riesige Bestätigung von Gott und eine Unterstreichung der Berufung, als ich gesehen habe, wie Gott den notwendigen Betrag Stück für Stück, Euro für Euro zusammengetragen hat. Genauso kenne ich aber auch Situationen, in denen Menschen Gottes Souveränität erlebten, indem das Geld eben nicht zusammenkam und ein anderer Plan Gottes in ihrem Leben Realität wurde. <br /><br /><b>Zusammengefasst:</b> Wenn Gott eine Berufung ausspricht, dann sorgt Gott auch dafür, dass das mit der Finanzierung funktioniert. Dann wird er seinen Mitarbeiter auch versorgen. Denn „Gott, der euch berufen hat, ist treu; er wird halten, was er versprochen hat.“ 1. Thessalonicher 5,24 &lt;&lt; <b><i><br /><br />Alexander Zöller</i></b><i> ist von Herzen dankbar für seine Spender – und Gott, der ihn Euro für Euro versorgt.</i></p>]]></content:encoded>
			<category>dran</category>
			<category>dran_workshop</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 10 May 2012 08:00:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Gott ist sein Arbeitsgeber. Bezahlt wird Alex Z&#246;ller von seinem &#132;Freundeskreis&#147;</title>
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			<description>Ich bin Sportmissionar. Ich unterstütze Sportler, die schon Christen sind, ihr Christsein im Sport...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext"><b><br />Ich muss gestehen:</b> Ich habe mich nie gefragt, wie sich so eine Missionarsanstellung eigentlich finanziert. Als ich mich mit dem Gedanken befasste, in den vollzeitlichen Dienst zu gehen, war meine Stimmung irgendwo zwischen euphorisch und blauäugig. Es bestand kein Zweifel: Gott würde mich versorgen. Es reichte doch wohl, dass ich der richtige Mann für die richtige Aufgabe war. Wenn Gott mich berufen hatte, dann konnte Geld doch wohl kein Grund sein, dieser Berufung nicht zu folgen. Aber fangen wir vorne an. <b><br /><br />Alles begann 2002</b> mit einem Praktikum und einem ausgehändigten Taschengeld. Über einige Jahre brachte ich mich unentgeltlich in die Sportmission ein, bis ich dann 2004 hauptamtlicher Sportmissionar bei SRS (Sportler ruft Sportler) wurde. Bei meiner Anstellung galt es für mich, drei Hürden zu nehmen. Die erste nannte sich „Person“: Die Verantwortlichen des Werkes berieten nach dem üblichen Bewerbungsprozedere, ob ich der Richtige bin. Die zweite Hürde lautete „Aufgabe“: Passt die zu vergebende Aufgabe auf mich als Person? Sie passte. Doch dann kam die dritte Hürde, und die schien unüberwindbar zu sein: die Finanzierung. Womit wir dann beim eigentlichen Thema wären – das Spendendilemma eines Missionars. <br /><br /><b>Fakt ist:</b> Auch ein Missionswerk wie SRS ist ein Arbeitgeber, wenn auch kein gewöhnlicher. Auch wenn das jetzt den Berufszweig entromantisiert: Als Arbeitgeber hat jedes Missionswerk eine soziale Verantwortung für seine Mitarbeiter, die mit ihrem Gehalt über die Runden kommen müssen. Wie in vielen Betrieben gibt es ein Tarifsystem, an dem sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber orientieren können. Ein solches System und ein vertraglich geregeltes, monatliches Gehalt geben mir Planungssicherheit, die ich heute als Familienvater mehr zu schätzen weiß als noch vor zehn Jahren. Damals musste ich mich nur um mich selbst kümmern, heute habe ich Frau und Tochter. Mein Tarifsystem hat nur einen Haken, der sich an einer ein-prägsamen Regel festmacht: Nur, was an Spenden reinkommt, kann auch als Gehalt ausgezahlt werden. Ganz konkret sah die Finanzierung in der Anfangszeit so aus: Um ein Gehalt von 1.100 Euro ausgezahlt zu bekommen, waren 1.600 Euro an monatlichen Spenden nötig. Und ich würde sie selbst sammeln müssen. <br /><br /><b>Okay, also wie komme</b> ich jetzt an die 1.600 Tacken? Beim Spendensammeln musste ich unweigerlich an die Zirkusleute mit ihrem Lama in der Fußgängerzone denken, die mit ihren Dosen klappern. Und an „Klinkenputzer“. Mir war klar: So kann die Finanzierung einer Missionarsstelle natürlich nicht funktionieren. Wo bleibt da die Zeit für die eigentliche Berufung? In vielen Missionswerken, so auch bei SRS, gilt es, einen „Freundeskreis“ aufzubauen. Diese Freunde werden durch eine monatliche Spende zu Paten der missionarischen Arbeit. Sie verpflichten sich, monatlich einen bestimmten Betrag zu spenden. Durch diese regelmäßigen Spenden kommen dann am Ende des Monats gleichmäßige Spendensummen zusammen, die dann ein regelmäßiges, im Vertrag festgeschriebenes Gehalt ermöglichen. <br /><br /><b>Ich machte mir also</b> eine Liste, überlegte, wen ich anschreiben könnte und schrieb um die vierzig handschriftliche Briefe, in denen ich meine Pläne erklärte, welche Berufung dahinter steht und warum ich auf ihre Unterstützung angewiesen war. Dann begann das Warten. Es dauerte einige Zeit, bis die ersten Antworten kamen. Um es kurz zu machen: am Ende hatte ich die 1.600 Euro zusammen. Wie Gott zu den einzelnen Empfängern meiner Briefe gesprochen hat, weiß ich nicht. Nur, dass es nicht allein an dem liegen kann, was ich geschrieben habe. <br /><br /><b>Ich hatte nun also</b> einen sogenannten „Freundeskreis“. Manchmal habe ich das Gefühl, von diesen Leuten abhängig zu sein – und da ist ja auch was dran. Meist empfinde ich das positiv im Sinne von Dankbarkeit, manchmal aber auch als störend. Von der Freigebigkeit dieser Leute hängt eben mein berufliches und privates Leben ab. Umso wichtiger ist es, die Wahl der Spender nicht dem Zufall zu überlassen, sondern gut im Gebet vorzubereiten. Bei manchen Leuten fühlte ich mich freier das zu tun als bei anderen. Manche Briefe habe ich geschrieben und nie abgeschickt. Warum das so ist, kann ich gar nicht sagen, aber man lernt mit der Zeit, mit diesem „Bauchgefühl“ – oder nennen wir es Reden Gottes – umzugehen. Das führte dann zu folgendem Ergebnis: Es gab Personen in meinem Umfeld, die ich nicht auf eine Patenschaft angesprochen habe, obwohl sie möglicherweise viel Geld haben. Bei anderen hatte ich überhaupt kein Problem, obwohl sie nur wenig verdienten. Einige gute Freunde habe ich nicht gefragt, dafür aber Leute, die ich nur einmal kurz gesehen habe. Fakt ist, mein Freundeskreis wurde zum ständigen Begleiter, Beobachter, Kritiker und Ermutiger meiner Arbeit als Missionar. Und genau das ist wichtig zu wissen, bevor ich jemanden für eine Patenschaft anfrage: Kann ich eine Person überhaupt in dieser Rolle sehen? Was denkt Gott über diese Person? <br /><br /><b>Zu Beginn waren es</b> 27 Paten, die im Durchschnitt 56 Euro im Monat für mich an SRS gespendet haben. Zusätzlich konnte SRS einen Zuschuss für hauptamtliche Übungsleiter beim Sportbund Rheinland beantragen, der mir ebenfalls half, das Geld zusammenzubekommen. Meine Patenschaften zu pflegen, wurde von nun an zu einem wichtigen Teil meiner Arbeit. Ich wusste: Ich müsste sie zu Teilhabern meiner Arbeit werden lassen, um sie für das zu begeistern, was durch sie in Gottes Reich passiert. „Information“ war ein ganz wichtiges Stichwort: Zu erfahren, was durch ihren Beitrag, meine Arbeit und Gottes Wirken geschehen ist, war für sie die Bestätigung dafür, dass sich ihr Engagement lohnte. Manche erhöhten ihren Patenschaftsbetrag auch aufgrund einer guten Berichterstattung. Regelmäßige Besuche und Sonderaktionen zu Weihnachten schafften und erhielten die Beziehungen.<br /><br /><b>Man könnte jetzt</b> vermuten, dass es einfacher ist, sich um wenige Personen zu kümmern, die große Beträge geben. Sich um einhundert Leute zu kümmern, die kleine Beträge spenden, erscheint ja doch sehr aufwendig. Ich wollte es aber nicht bequem haben, sondern die Finanzierung auf möglichst viele Beine stellen. Stell dir vor, du hast nur vier Spender, die jeweils vierhundert Euro spenden. Damit wäre deine Vollzeitstelle finanziert. Gratuliere! Doch was passiert, wenn dich einer dieser Spender, aus welchem Grund auch immer, nicht mehr unterstützen kann? Dann hast du ein Problem, denn vierhundert Euro zu kompensieren ist nicht einfach. Besser ist es also einhundert Leute zu finden, die 16 Euro spenden. Hundert habe ich nicht, und doch waren meine Paten sehr verlässlich und sind es noch immer. Es ist aber auch vorgekommen, dass einzelne Paten ihr Engagement beendet haben – und das immer aus guten Gründen. Dementsprechend war und bin ich dazu angehalten, die Augen nach potenziellen neuen Paten offenzuhalten. Leute, die einen selbst im Dienst erlebt und möglicherweise von einem selbst profitiert haben, sind meist offen für ein Gespräch. Aber auch hier lässt sich keine Regel aufstellen: Ich vermeide es bis heute, mit der Tür ins Haus zu fallen. Der schlimmste denkbare Fall ist der, dass der Betreffende meint, für meinen uneigennützigen Dienst nun doch nachträglich monatlich zahlen zu müssen. Gottes Liebe bleibt leidenschaftlich – daraus mache ich kein Geschäft. <b><br /><br />Um mir den Umgang</b> mit meinen Paten einfacher zu machen, gehen die Spenden bis heute nicht direkt auf mein privates Konto ein, sondern werden an SRS gespendet. Vermerk: Alexander Zöller. Dies geschieht in der Regel über eine Einzugsermächtigung oder einen Dauerauftrag. Das macht es einfacher für mich. Denn wenn die Spenden an SRS gehen und ich ein normales Gehalt gezahlt bekomme, fühle ich mich freier, mit dem Geld zu tun, was ich für richtig halte. Ich gestalte mein Leben und das meiner Familie damit, kaufe ein, gehe ins Kino oder investiere es in einen Satz Gitarrenseiten. Aber auch Leute, die von Spenden leben, spenden einen Teil ihres Geldes. Würde mir das Geld von einem Paten direkt gegeben, hätte ich womöglich das Bedürfnis, mich dieser Person gegenüber zu erklären und Rechenschaft darüber abzulegen, was ich damit mache. Würde ich beim nächsten Treffen mit dieser Person eine neue Jeans tragen und bei McDonald’s an der Kasse stehen, könnte ich seine Gedanken lesen: „Mal sehen was der Herr Missionar mit meinem Geld anstellt ...“ Treffen mit Freunden würden zu einer Tortur. Meine Paten haben verstanden, dass sie mit dem Geld nicht meine Arbeit in dem Sinne finanzieren, dass ich von dem Geld zehn Bibeln kaufen kann, die ich dann verteile, und Menschen zu Jesus finden. Sie geben das Geld, damit mein Gehalt gezahlt werden kann, von dem ich und meine Familie leben. <br /><br /><b>Die Finanzen sind</b> ein wirklich zentrales Thema im Bereich Mission. Meine Familie ist tatsächlich darauf angewiesen, dass Gott uns versorgt. Einige Personen in meinem Umfeld halten es für ein großes Risiko, durch Spenden finanziert zu sein. Doch Tag für Tag, Monat für Monat ist Gott nun mein Arbeitgeber. Seit fast zehn Jahren sorgt er dafür, dass ich, dass wir genug haben. Durch diese Erfahrungen wächst mein Vertrauen in diesen Gott, der von sich sagt, dass er treu ist. Wer diese Erfahrungen noch nicht gemacht hat, mag das für eine riskante Sache halten. Aber: wenn Gott mich nicht versorgen kann, wer dann? Dies tut er manchmal höchst persönlich, meistens jedoch durch liebe Menschen, meine Paten und andere Freunde. Dahinter erkenne ich den großen Wunsch Gottes, den zu segnen, der gibt. Viele Geschichten bestätigen genau das. Ich bete dafür, dass Gott meine Unterstützer weiterhin mit dem Nötigen versorgt, damit sie ihre Patenschaften aufrechterhalten können. <br /><br /><b>Als ich den Betrag</b> genannt bekam, der monatlich reinkommen soll, musste ich erst mal schlucken. Es schien mir völlig unrealistisch zu sein. Doch es war eine riesige Bestätigung von Gott und eine Unterstreichung der Berufung, als ich gesehen habe, wie Gott den notwendigen Betrag Stück für Stück, Euro für Euro zusammengetragen hat. Genauso kenne ich aber auch Situationen, in denen Menschen Gottes Souveränität erlebten, indem das Geld eben nicht zusammenkam und ein anderer Plan Gottes in ihrem Leben Realität wurde. <br /><br /><b>Zusammengefasst:</b> Wenn Gott eine Berufung ausspricht, dann sorgt Gott auch dafür, dass das mit der Finanzierung funktioniert. Dann wird er seinen Mitarbeiter auch versorgen. Denn „Gott, der euch berufen hat, ist treu; er wird halten, was er versprochen hat.“ 1. Thessalonicher 5,24 &lt;&lt; <b><i><br /><br />Alexander Zöller</i></b><i> ist von Herzen dankbar für seine Spender – und Gott, der ihn Euro für Euro versorgt.</i></p>]]></content:encoded>
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			<category>dran_workshop</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 10 May 2012 08:00:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Ganz der Kirche verpflichtet</title>
			<link>http://www.dran.de//no_cache/dran-service/dran-suchergebnis/artikel/ansicht/185007ganz-der-kirche-verpflichtet.html</link>
			<description>Mehr als ein halbes Dutzend Bands und ein riesiger Musikerpool aus gut fünfzig Personen, davon...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext"><br /><b>Zwölf Jahre sind </b>eine lange Zeit in der Musikwelt. Vor zwölf Jahren wackelte Mr. Oizo mit „Flat Beat“ zum Sensationshit des Sommers, die Backstreet Boys blockierten die Charts mit „I want it that way“ und Fanta Vier bereicherte die damals noch recht analoge Welt mit ihren „MfG“. Lang, lang ist’s her. <br /><br /><b>Ebenfalls vor </b>zwölf Jahren wurde in der ICF Zürich „ICF Music“ gegründet. Mit dabei: Simon Lämmle und Debi Sita. Die beiden ICF-Musiker der ersten Stunde schreiben auch im Jahr 2012 noch die Songs, legen die Arrangements fest, entscheiden über Musikprojekte und die Soundentwicklung. Gemeinsam mit ihren drei Kernteam-Kollegen Dave Kull, Dominik Laim und Joël Vögeli tun sie das, was jede Band tut. Nur dass sie ihre Ergebnisse dann an die dutzenden ehrenamtlichen Musiker weitergeben, die schließlich im Vier-Wochen-Takt einen ganzen Sonntag lang für vier Gottesdienste auf der Bühne stehen. „Es gibt bei uns keinen Platz für allzu große Musiker-Egos und künstlerische Entfaltung“, sagt Simon Lämmle offenherzig. Zum Ausgleich haben die ICF Music: Ganz der Kirche verpflichtet ehrenamtlichen Musiker die Gelegenheit, vor rund fünfhundert Gottesdienstgästen pro „Celebration“ zu spielen. Bei einem Gottesdienst-Marathon der Züricher ICF kommen die Musiker also auf gut zweitausend Zuhörer an nur einem Tag. „Viele ehrenamtliche Musiker haben das längst begriffen. Im ICF zu spielen ist eine andere Dimension als vor fünfzig Nasen in einer Bar.“ Dafür sind sie durchaus bereit, etwas künstlerischen Spielraum zu opfern. Einige der Musiker holen sich den in anderen Bandprojekten – den meisten aber genügt ihr Engagement in der ICF-Band. <br /><br /><b>Etwas anders</b> sieht die Sachlage beim fünfköpfigen Kernteam aus, das von ICF angestellt ist und ganz im Dienst der Gemeinde steht. Künstlerische Nebenbaustellen sind da nicht drin – die Grenzen ihrer Verwirklichung sind die ihrer Kirche. Debi Sita sagt: „Dafür haben wir uns selbst entschieden. Wir tragen die Vision der Kirche mit, glauben an sie. Das geht einerseits mit Opfern einher, andererseits können wir von der Musik leben. Das ist ein Privileg, für das wir sehr dankbar sind.“ Debi Sita selbst hat ihre eigene Solo-Karriere „geopfert“, da sie schlicht keine Zeit dafür hatte. Im ICF kommt sie jetzt zu Musical-Tourneen, singt in verschiedenen Locations im Kanton Zürich und Umgebung und kann CDs einspielen. „Das klingt nach viel Spaß. Es macht aber nur den kleinsten Teil unserer Arbeit aus“, sagt sie. Möglich wird das Gesamtwerk nur durch harte Arbeit, wie Simon Lämmle versichert: „Wir opfern regelmäßig ganze Sonntage. Wir proben im Wochentakt. Wir haben auch eine starke Feedback-Kultur und viele Sitzungen mit dem Kernteam. Jeder von uns schwitzt manchmal Blut.<br /><br /><b>Nach zwölf Jahren</b> bei der ICF sind Sita und Lämmle zu lange im Musikgeschäft, als dass sie sich noch Illusionen hingeben würden. Das fängt schon bei den CD-Aufnahmen an. „Wir produzieren realistisch“, sagt Lämmle. Das heißt: Am Ende verdient die Kirche mit den CDs mehr Geld, als sie ausgibt. „Wir spielen alles in einem Tag live ein. Dann wird im Studio noch etwas gefeilt und fertig ist die Platte.“ Wie viele CDs er schon eingespielt hat – Lämmle kann das nicht aus dem Stehgreif sagen. Es sind über zwanzig – die Maschinerie läuft auf Dauerauslastung. „Nach der CD ist vor der CD“, sagt er lachend. Für ihn ist die CD-Produktion zwar eine wichtige Sache, aber doch nur eine unter vielen. „Eine CD ist wie eine Zeitung. Sie erhält kurz große Beachtung, dann wird sie rasch wieder vergessen. Es ist nicht sinnvoll, zu hohe Erwartungen hineinzustecken.“ Das Live-Konzept verdanken die ICF-Alben einem ganz pragmatischen Hintergedanken: In erster Linie sollen die ICF-Platten das Gefühl der Kirche auffangen. „Und das geht mit Live-Aufnahmen nun mal adäquater als im Studio.“ Gut fünftausend Exemplare verkauft die Kirche von jedem neuen Album. Simon Lämmle will diese Zahl in den nächsten Jahren verdoppeln: Damit wäre man auf dem Schweizer Musikmarkt bereits in Reichweite einer goldenen Schallplatte, für die man 15.000 verkaufte Exemplare braucht. Mehr als Gedankenspiele sind die Verkaufszahlen allerdings nicht. „Sie sind vielleicht ein netter Nebeneffekt, doch unser Fokus gilt der Musik und der Kirche.<br /><br /><b>War also auch</b> der Hype um den Song „Take a stand“, den Debi Sita und Dominik Laim anlässlich des 15-Jahre- Jubiläums der ICF Zürich letztes Jahr geschrieben haben, nichts als ein begrüßenswerter Nebeneffekt? Kaum war die Jubiläumsparty mit achttausend Gästen im Zürcher Hallenstadion abgefeiert, da luden sich über 2.500 Personen innerhalb einer Woche den Song von iTunes herunter. „Take a stand“ kletterte bis auf Platz 12 der Schweizer Single-Charts. Debi Sita gibt sich nichtsahnend: „Das war nicht beabsichtigt. Natürlich haben wir Werbung gemacht, aber es war keine organisierte Aktion. Es ergab sich einfach so.“ Man habe sich sicherlich gefreut, fügt Simon Lämmle an. Doch Hypes kommen und gehen. Ihren Fokus will die ICF deshalb auch musikalisch eher auf Nachhaltigkeit legen.<br /><br /><b>Nicht alle reagieren</b> derart gelassen auf den Erfolg von „Take a stand“. Mitunter hagelte es scharfe Kritik von säkularen Presseorganen: Von „seicht und nichtssagend“ sprachen einige, ein Kritiker schreibt auf dem Portal hitparade.ch sogar: „Oh Gott. Dieses Lied sollte an meiner Kreuzigung gespielt werden.“ Sita und Lämmle zucken die Schultern. Kritik sind sie gewohnt. Und dass christliche Musik in den Charts polarisiert, überrascht niemanden. Das hängt vermutlich mit den Überzeugungen zusammen, die in ihren Songs stecken. Und mit der Massentauglichkeit, die Simon Lämmle anstrebt: „Ein Worship-Song muss mit simpler Melodie überzeugen, muss für die Masse singbar sein. Wir kreieren dann bloß ein kompliziertes musikalisches Arrangement rund um das einfache Gerüst.“ Debi Sita, die sich im Songwriting vor allem an den Texten beteiligt, ergänzt: „Inhaltlich sind die Ansätze natürlich gegeben. Aber ich versuche stets, neue Worte, neue Formulierungen zu finden. Die gängigen Worship-Linien sind zu abgenutzt.<br /><br /><b>Auch wenn der Fokus</b> deutlich auf die eigene Kirche gerichtet ist, will die ICF-Band mit ihren Worship-Kompositionen auch die Schweizer Musik- Kultur mitprägen. „Ich habe den Anspruch an jeden Song, dass er etwas Frisches bringt. Ist das nicht der Fall, muss er überarbeitet oder verworfen werden. Uns ist wichtig, was aktuell ist. Wir versuchen neue Strömungen in unseren Sound zu integrieren, damit sich die Gottesdienstbesucher damit identifizieren können“, so Simon Lämmle. Ein Song, der diese Hürde schafft, wird von der ganzen Band zu dem gemacht, was schlussendlich in der „Celebration“ zu hören ist. „Jeder neue Song ist ein Produkt von uns fünf. Erst wenn wir einheitlich hinter dem Song stehen, ist er bereit fürs ganze ICF.“ Trotz dieser hohen Anforderungen hat ICF Zürich einen großen Lieder-Output, denn die fünf Hauptmusiker verbringen einen wesentlichen Teil ihrer Zeit damit, neue Musik für ihre Kirche zu kreieren.<br /><br /><b>Warum, fragt sich</b> die Band, sollte diese Musik nicht irgendwann Einfluss auf die Schweizer Musikszene nehmen können? „Durch die große Kirche in unserem Rücken kommt unsere Musik zu den Leuten. Über diese gelangt sie auch in die Welt hinaus“, ist Simon Lämmle überzeugt und verweist auf Hillsong, die regelmäßig in den australischen Charts mitmischen. Auch die letzte Zürcher ICFPlatte schaffte es in die Hitparade – auf Platz 96 der Schweizer Alben-Charts. Ein Achtungserfolg, den Debi Sita betont lakonisch zur Kenntnis genommen hat: „Wir sind unserer Kirche verpflichtet. Der ganze Rest ist zweitrangig.“&lt;&lt;<br /><br /><br /><i><b>David Kilchör</b> macht lieber Musik mit künstlerischem Freiraum.</i></p>]]></content:encoded>
			<category>dran</category>
			<category>dran_musikbuchfilm</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 03 May 2012 11:40:00 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Wie man lernt, ein Nein zu sagen, das nach Ja schmeckt</title>
			<link>http://www.dran.de//no_cache/dran-service/dran-suchergebnis/artikel/ansicht/184525wie-man-lernt-ein-nein-zu-sagen-das-nach-ja-schmeckt.html</link>
			<description>Eva neigt den Kopf leicht zur Seite und winkt mit einer verteidigenden Geste ab. Sie spürt die...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext">&nbsp;</p>
<p class="bodytext">&nbsp;</p>
<p class="bodytext">„Nein ...“, haucht sie und braucht dafür alle innerliche und äußerliche Kraft, um einer erneuten Aufforderung ihres Chefs zu widerstehen. „Nein, heute will ich keine Überstunden machen – heute nicht.“ Wie lange hat sie diesen Satz vor dem Spiegel geübt. Immer und immer wieder, mit und ohne Entschuldigungen. Sie hat sich schon alle möglichen Gründe zurechtgelegt: Oma besuchen, Essen einkaufen, Gemeindetermine, Theaterbesuch. Sich und ihre Lebenszeit schützen – kann das so schwer sein? Doch diesmal will sie nicht erneut mit einer Notlüge ausweichen. Es ist nicht einmal das Lügen, das sie nervt: Sie will für sich selbst stehen können und einfach mal Nein sagen. Einfach so: „Nein, heute nicht!“ Punkt.</p>
<p class="bodytext">Viele Menschen leiden darunter, nicht Nein sagen zu können. Etliche tun Dinge, die für sie nur eingeschränkt Sinn machen, um andere nicht zu enttäuschen. Manche brauchen es, gebraucht zu werden. Frei sein jedoch ist etwas anderes. Wer Nein sagen will, es aber nicht kann, hat meist einen ganzen Gang an Fluchttüren offen. Man wolle nicht unfreundlich sein, akzeptiert werden, sich unangenehme Nachfragen nach dem Warum ersparen. Manche versprechen sich etwas davon – andere tun es aus Angst vor Ablehnung. Zurückgewiesen werden ist für jene, die sich immer zum Ja gedrängt fühlen, die größte und bedrohlichste Auswirkung.</p>
<p class="bodytext"><br /><b>Was für den Beruf gilt</b><b>,</b> gilt auch in der Gemeinde. Oft sind diese Leute nämlich hingegebene Christen. Treu und zuverlässig. Bereit anzupacken, wenn es etwas zu tun gibt. Helfer mit Herzen, die kaum in den Brustkorb passen. Mit knietiefen Augenringen und uneingeschränkter Präsenz. Im Hauskreis, für die Freunde, für den Chef. Und leider sind Gemeinden nicht immer frei davon, solchen Menschen das Gefühl zu geben, Gott wolle sie so. Deshalb geschieht dort auch manchmal genau das Gegenteil von Freiheit. Man predigt nicht die Imperative, sie geschehen einfach. Dynamik, die ihren Preis hat. Wert, Würde und Wohlwollen werden zum Lohn für ein lächelndes „Ja!“. <br /><br /><b>Nein sagen können</b> ist wichtig für den Selbstschutz. Wer keine Grenzen ziehen kann, zahlt möglicherweise einen hohen Preis: Man wird unzufrieden, man erlaubt anderen, über die eigene Energie und Zeit zu verfügen, man kann auch geradewegs in den Burn-out schlittern. Womit nicht gesagt ist, dass das gegenwärtige Massenphänomen Burn-out von einer permanenten Überlastung im beruflichen, gemeindlichen und privaten Leben herrührt. Wer sich in eine Sache um der Sache willen hineinhängt, der geht nicht für sich – der geht für etwas. Das ist der springende Punkt. Denn wer für sich geht, der erwartet immer ein Lob, einen Lohn, ein Schulterklopfen, ein Gesehenwerden. Und diese Erwartung wird nur allzu oft enttäuscht. Woher diese Neigung und die Angst vor dem Zurückgewiesen werden letztlich kommen, das lasse ich mal offen. Denn in der Analyse der Ursachen steckt meist schon wieder ein Imperativ an die, deren Radar sowieso fast ausschließlich auf Appell gepolt ist. „Arbeite an deinem Selbstbewusstsein! Zieh Grenzen! Gib auf dich acht! ...“ Wichtiger ist es, dem Gefühl, anderen etwas schuldig zu sein, entgegenzutreten. Die meisten kennen es, jenes fiese Gefühl, nicht zu genügen. Ganz subtil wirkt das, nicht auf den ersten Blick erkennbar. Und für dieses Grundgefühl sind appellierende Ratschläge eine weitere Dosis Gift. <br /><br /><b>Wie geht man also</b> mit dem Grundgefühl der Schuldigkeit um? Gerade ein Christ müsste das doch wissen. Aber wie ist das, wenn man gebraucht wird, aber Grenzen setzen will, wenn man frei sein will, aber die Notwendigkeiten sieht? Wie ist das, wenn man seine Tages- und Lebensplanung unabhängig und kreativ gestalten will? Meine Oma sagte immer: „Lieber ein Nein, das nach Ja schmeckt, als ein Ja, das nach Nein schmeckt ...“, keine Ahnung, wo sie das her hatte. Aber das trifft es. <br /><br /><b>Ohne Schuldgefühle </b>Nein sagen zu lernen, bedeutet, dem eigenen Urteilsvermögen zu vertrauen im Blick auf die anvertrauten Umstände, Dinge, Aufgaben. Nein sagen heißt auch, sich für nicht so wichtig zu halten – aber wichtig genug, die eigenen Bedürfnisse im Blick zu haben. Von diesem Gesichtspunkt her ist das Zitat zu verstehen, das diesem Artikel vorangeht. „Frömmigkeit ist der Entschluss, die Abhängigkeit von Gott als Glück zu verstehen.“ Es geht um Gott – und Gott wird nie und nimmer die Grenzen, die ein Mensch hat, überschreiten. Gott manipuliert nicht. Er weiß, wann man ein Ja sprechen kann, das nicht nach Nein schmeckt. <br /><br /><b>Wenn sich Menschen</b> ihre Grenzen zeigen („Nein, heute nicht …!“), kann es passieren, dass sie sich zurückgewiesen fühlen. Man findet sich nicht immer damit ab, dass die eigenen Erwartungen enttäuscht werden, verlangt uneingeschränkte Zuneigung, uneingeschränktes Geben. Ein Teil dieses Kampfes ist der, der eigenen Liebe Grenzen zu setzen – etwas, was man, wenn man schwer Nein sagen kann, nie tut. Der chronische Ja-Sager gibt, worum Menschen ihn bitten. Und bitten sie um mehr, gibt er solange, bis er merkt, dass er nicht mehr geben kann. Mit der Folge, dass er sich manipuliert und ausgenutzt fühlt. Nur wer imstande ist, sich selbst zu begrenzen, wird auch imstande sein, anderen Grenzen zu setzen und die Grenzen anderer zu akzeptieren. <br /><br /><b>Denn im immerwährenden</b> Geben liegt die tiefe Erwartung, etwas zu erhalten, was im Rahmen der Grenzen der anderen aber unmöglich ist. Gerade in der Gegenwart von Menschen, die man schätzt, können gegenseitige Erwartungen und Ansprüche ins Unermessliche wachsen. Bis sich andere von dieser Art der Ansprüche so bedrängt, ja überfordert fühlen, dass sie sich praktisch gezwungen sehen, sich zurückzuziehen, um emotional selbst zu überleben. Hier ist der Kern des Problems: Menschen, die nicht Nein sagen können, geben, leisten viel – jedoch nur vordergründig. Absichtsloses Geben ist ein Mythos. In Wirklichkeit nehmen sie, erwarten sie – von anderen. Man braucht etwas und zahlt dafür. Sich selbst kann man als Währung aber nicht anerkennen. <br /><br /><b>Bernhard von Clairvaux</b> hat dieser inneren Sehnsucht nach Beachtung, nach Ansehen und Zuneigung einen kurzen Satz entgegengehalten: „Gönne dich dir selbst!“ Wer sich schwertut damit, Grenzen zu ziehen, hat die Aufgabe, Anspruch auf sich selbst zu erheben. Sich sich selbst zu gönnen ermöglicht es, die eigenen Ansprüche in den Grenzen des eigenen Ichs zu halten. Zuneigung, Dienst, Hingabe setzt Menschen voraus, die sich selbst besitzen und die einander geben können – dabei aber auf die eigene Freiheit und Identität bestehen. Um also freier, ehrlicher und wirksamer geben zu können, muss man lernen, die eigene Bedürftigkeit anzuerkennen und Gott hinzuhalten. Nur er kann jedes Nein auch in ein echtes Ja verändern. Sein Ja schmeckt nie nach Nein. <br /><br /><b>Ein aufrichtiges</b> Ja oder ein deutliches Nein braucht das Bewusstsein für all die Situationen, in denen man Ja sagt, obwohl man Nein meint. Sind es bestimmte Personen, Situationen, Zeiten? Nur Mut, auch dann deutlich Nein zu sagen, wenn das Herz pocht. Hier muss man nicht das Opfer der eigenen Angst bleiben. Nein sagen hilft, die eigene Freiheit zurückzuerobern. Man wird schnell feststellen, dass in den meisten Fällen die befürchteten negativen Reaktionen ausbleiben. Sollte doch mal jemand enttäuscht oder verärgert reagieren, dann ist es wichtig, diese Reaktion nicht auf sich zu beziehen. Ein Nein kann enttäuschen und frustrieren – ganz klar. Aber das Gegenüber muss diese Grenzen anerkennen – und er wird darüber hinwegkommen. Wer seine eigenen Grenzen achtet, wird leichter Nein und freudiger Ja sagen können. Angemessen. Der Sache dienend. Von Gott empfangend und innerlich frei. &lt;&lt; <br /><br /><i><b>Norbert Roth</b> hatte für diesen Artikel ein aufrichtiges Ja.</i></p>]]></content:encoded>
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			<category>dran_jetztleben</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 26 Apr 2012 08:00:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Befreiungsbriefe nach Gambia</title>
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			<description>In Bochum kämpft die Ortsgruppe von Amnesty International um einen verschollenen Journalisten, den...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext"><b>Knallgelb und pechschwarz.</b> Eine Kerze, umgeben von Stacheldraht. Subtil ist das nicht. Gerade dem Plakativen verdankt das Logo von Amnesty International seine weltweite Bekanntheit. Es kommuniziert: Ihre Aktivisten gehen sehenden Auges an die Orte der Welt, an denen es wehtut. Setzen sich dafür ein, dass Licht ins dunkle Treiben kommt. Solidarisieren sich mit denen, die in Unfreiheit gehalten werden. <br /><br /><b>Die Amnesty-Gruppe</b> der Ruhr-Uni Bochum muss sich jetzt an diesem Anspruch messen lassen. Sie trifft sich im Gebäude der ESG (Evangelische Studierenden- Gemeinde) gleich auf dem Unigelände. Das ist ein bisschen runtergekommen, aber zweckmäßig. Das Amnesty-Logo suche ich vergeblich, Amnesty hat hier keine eigenen Räume. Stattdessen klebt ein Zettel an der Tür, den Maren, die Gruppenleiterin, erst besorgt, dann zunehmend verärgert liest: Das Gebäude kann ab nächster Woche nicht mehr genutzt werden. Ein Punkt mehr auf der heutigen Tagesordnung. Drinnen sitzen schon sechs Leute – das ist die „Einzelfallgruppe“, erklärt mir Maren. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, mir zu Ehren, beginnt der Routineteil der Sitzung. <br /><br /><b>Der Weg</b> zu Amnesty-Gruppen-Sitzungen auf verschlissenen ESG-Sofas in deutschen Uni-Städten war lang. Den Stein ins Rollen brachte 1961 ein typischer Einzelfall: Weil sie in Lissabon in einer verrauchten Kneipe auf die Freiheit anstießen, wurden zwei Studenten zu sieben Jahren Haft verurteilt. 1961 war eines der Jahre unter Militärdiktatur, in denen in Portugal die Erwähnung des Wortes „Freiheit“ verboten war. Von dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit erfuhr der Londoner Rechtsanwalt Peter Benenson durch einen Zeitungsartikel. Und er beschloss, etwas dagegen zu tun. Benenson veröffentlichte selbst einen Artikel, in dem er die Leser dazu aufrief, Briefe an Regierungen zu schreiben und darin die Freilassung politischer Gefangener zu fordern. Heute gilt die daraus entstandene Aktion „Appeal for Amnesty 1961“ als Geburtsinitiative von Amnesty International. <br /><br /><b>Inzwischen zählt Amnesty</b> mit über drei Millionen Mitgliedern und Unterstützern zu den großen internationalen Organisationen. An dem Ziel von Amnesty hat sich seit den Sechzigerjahren wenig geändert: Nach wie vor setzen sich ihre Aktivisten für die Einhaltung der Menschenrechte ein. Amnestie fordern Freiheit für Gefangene, die nur wegen nicht regierungskonformer Äußerungen inhaftiert waren – damit hatte es angefangen. Später wurde die Abschaffung der Todesstrafe zu einem Hauptanliegen. Seit 2001 setzt sich Amnesty außerdem für die Achtung der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Rechte von Menschen ein. Die Arbeit wird nicht weniger. <br /><br /><b>„Wer kann zum Frauentag</b> den Amnesty- Stand betreuen?“, fragt Maren in die Runde. Öffentlichkeitsarbeit an der Basis – so was, wird mir erklärt, ist eine typische Aufgabe für Neulinge, die thematisch noch nicht so viel einbringen können. Das Ziel: über aufgespürte Menschenrechtsverletzungen informieren. Als Nebeneffekt eingeplant: Gemeinsam einen Nachmittag mit einem Teil der Gruppe am Stand zu verbringen schweißt zusammen. Am Stand werden gleichzeitig Briefaktionen durchgeführt und Unterschriften für Petitionen gesammelt. Der Infostand ist der Allrounder unter den Amnesty-Werkzeugen. Zusätzlich wächst das Engagement in der digitalen Welt: Auf der offiziellen Amnesty-Website findet sich ein vorgefertigtes Petitions-Schreiben an die Regierung der Demokratischen Republik Kongo, das man anklicken, abschicken und so unterstützen kann. Nur das Aufspüren von Menschenrechtsverletzungen ist keine Arbeit für ehrenamtliche Mitglieder. Dafür sind die hauptamtlichen „Researcher“ zuständig. Sie versuchen mit Hilfe von Medienmeldungen und Informanten fundierte Recherchearbeit zu leisten. Und das mit nachhaltigem Erfolg: 1977 erhielt Amnesty International für seine Arbeit den Friedensnobelpreis. <b><br /><br />In der Hochschulgruppe</b> engagieren sich alle ehrenamtlich. Und natürlich sind die meisten Studenten. Aber die Fächer sind bunt gemischt und die Charaktere auch. Zu den demografischen Ausreißern gehören Alexander, 35 und Softwareentwickler, Manfred, der mir als Gruppenurgestein beschrieben wird, weil er praktisch bei Amnesty zur Welt kam, und Marita. <br /><br /><b>Marita ist 62 Jahre</b> alt und arbeitet in Altersteilzeit als Lehrerin einer Gesamtschule. Sie nutzt ihre beruflichen Möglichkeiten für die Arbeit für „Menschenrechtsunterricht“ an Schulen, die das wünschen. Wie sie zu AI gekommen ist? „Ich war kirchlich geprägt und bin dann aus dieser Prägung heraus bei Amnesty aktiv geworden.“ Damals war eine entscheidende Zeit für die Verbindung von Amnesty mit den Kirchen. „Ich habe damals auch angefangen, Theologie zu studieren. Es war genau die Zeit, als Theologie nicht mehr nur das konservative Alte war, sondern sich die Pfarrer praktisch in der Gesellschaft engagiert haben.“ Marita bezieht sich damit besonders auf die Umbrüche in Lateinamerika, die zu viel Leid und grausamen Verletzungen der Menschenrechte führten. Damals setzten sich vor allem katholische Geistliche unter dem Stichwort „Befreiungstheologie“ für die Flüchtlinge und die Folteropfer ein. Marita hat damals selbst Gefangene in Chile besucht. Das Bild der Theologen als Menschenrechtskämpfer motivierte Marita zur eigenen Arbeit für Amnesty. <br /><br /><b>Alex ist seit über zwölf Jahren</b> dabei. Für ihn war der Bosnienkrieg in den Neunzigern der Anlass, Amnesty beizutreten. Die Hintergründe seines Beitritts hält er für exemplarisch: „Marita kommt aus dem kirchlichen Bereich. Ich komme aus dem politisch eher linken Spektrum und habe mit Kirche wenig zu tun. Das finde ich sehr typisch für Amnesty. Die Mitglieder sind entweder kirchlich geprägt, oder politisch links. Oder beides.“ Das leuchtet mir ein, bis Maren sich zu Wort meldet:Amnesty und gibt „Tja, also ich komme aus einem nicht-religiösen, unpolitischen Elternhaus. Und ich bin trotzdem hier.“ – Theorie widerlegt! Maren erzählt dann noch, dass sie schon bei verschiedenen Organisationen ehrenamtlich gearbeitet hat – einfach aus dem Wunsch, sich zu engagieren. Als sie dann nach Bochum kam, gab es da die Amnesty Gruppe. So einfach war das. Alex hat seinen Schritt nie bereut und denkt auch aus einem anderen Grund gar nicht darüber nach, sein Engagement zu beenden: „Wenn man einmal dabei ist, bleibt man es entweder sein Leben lang, oder man hat irgendwann aufgegeben.“ <br /><br /><b>Amnesty und die Christen</b> – ein Herz und eine Seele also? Vor allem, wenn ich an die Themen Homosexualität und Abtreibung denke, bleibt der Verdacht, dass es da ein Spannungsfeld gibt. Auch, dass Amnesty auf jedem Kirchentag mindestens einen Stand hatte, kann den nicht auflösen. „An der Basis läuft es gut“, meint Alexander. „Wir sind manchmal bei den Katholiken – sie sind manchmal hier, und eigentlich hatte ich nie das Gefühl, dass sie ein Problem mit uns haben.“ Trotzdem gab es da einen Vorfall, der katholische Amnesty-Mitglieder in einen inneren Konflikt brachte. Vor etwa fünf Jahren wurde bei Amnesty eine Diskussion darüber geführt, ob die bestehende Position zum Thema Abtreibung ausgedehnt werden sollte. Bisher war es so, dass Amnesty nur in Ausnahmefällen auf das Recht auf Abtreibung bestand, in denen die körperliche Unversehrtheit der Mutter oder ihre Menschenrechte gefährdet wären. Mit der erweiterten Position hätte sich Amnesty für ein universelles Recht auf Abtreibung stark gemacht; die Diskussion über eine solche Forderung reichte dem Vatikan, um zum Boykott und damit zum Austritt von Katholiken bei Amnesty aufzurufen. Letztendlich blieb es bei der bestehenden Regelung. Episode beendet. <br /><br /><b>Wer als Christ</b> bei Amnesty arbeitet, muss selbst wissen, was er mit Gott und seinem Gewissen vereinbaren kann. So war es auch bei der Debatte um die Abtreibung: „Es waren aufgeregte Diskussionen innerhalb von Amnesty – da spürte man diese beiden Lager. Die ,feministische‘ Ecke und die Leute mit starken christlichen Grundsätzen, die bei der Arbeit für Amnesty an einem bestimmten Punkt nicht mehr weitergehen konnten“, erzählt Alexander. Ich bin während der Sitzung der Bochumer Hochschul-Gruppe nicht an diesen Punkt gekommen – nicht mal in seine Nähe. Die Verantwortung, nur da mitzuarbeiten, wo man es vertreten kann, formuliert Maren dann positiv – als Freiheit: „Man macht eben so viel, wie man gerade Zeit oder Lust hat.“ Gewünscht und gern gesehen ist es, wenn man sich dabei seine Herzensthemen selbst wählt und neue Blickrichtungen eröffnet. <br /><br /><b>Auf dem Protokoll,</b> das ich später per E-Mail geschickt bekomme, lese ich dann noch einmal die Tagesordnungspunkte: 1. Auswertung der Filmvorführung „The Green Wave“, 2. Planung der Aktion für den Internationalen Frauentag, 3. (aus aktuellem Anlass) Vorschläge für neue Räumlichkeiten für Gruppentreffen, 4. Bezirksversammlung, 5. Amnesty-Plakat an der Uni-Brücke, 6. Amnesty-Unterricht an Schulen. Und sonst so? Welche Projekte betreut die Uni-Gruppe noch? Besteht nicht die Gefahr, dass man bei all den vielen wechselnden Petitionen und Briefaktionen leicht die Menschen und die Schicksale hinter den Papierstapeln vergisst? Zwei spezielle Aktionen sorgen dafür, dass die Tuchfühlung zu den Menschen auf der anderen Seite der Projekte nicht abreist: Zum einen entwickelte sich aus einer Art Spendenpatenschaft für Opfer von Menschenrechtsverletzungen in Peru der Wunsch, als Gruppe ein bestimmtes Projekt direkt zu unterstützen. Das Land ist inzwischen ein anderes, aber die Arbeit blieb ähnlich. Seit Sommer letzten Jahres gibt es ein Abkommen zum gegenseitigen Austausch zwischen Amnesty Deutschland und Amnesty in Ghana. Der ganze Bezirk Ruhr-Mitte ist verstärkt für dieses Projekt verantwortlich. Besonders Hauptamtliche arbeiten daran, die junge AI-Sektion in Ghana finanziell und inhaltlich zu unterstützen. <br /><br /><b>Die zweite Aktion</b> habe ich am Rande mitbekommen: Ein paar Mitglieder aus der Uni-Gruppe hatten die Sofas schon belagert, als ich noch vor der Tür stand. Das war die Einzelfallgruppe, die sich immer schon eine Stunde vor dem eigentlichen Gruppentreffen zusammenfindet, um sich zusätzlich zu engagieren. Das „Projekt“ ist ein Einzelner: Der Journalist Ebrima B. Manneh ist seit 2006 verschwunden. „Wir sorgen uns um das Wohlbefinden des Journalisten Ebrima B. Manneh ... er wurde 2006 in Banjul (Gambia) in den Redaktionsräumen durch Sicherheitsbeamte in Zivil festgenommen. Er wurde nie angeklagt oder verurteilt und sein Aufenthaltsort wurde nie mitgeteilt. Amnesty International betrachtet Manneh als Gewissensgefangenen, der nur wegen der friedlichen Ausübung seines international anerkannten Rechts auf Meinungsfreiheit verhaftet wurde.“ So steht es in der Petition. Die Einzelfallgruppe will dafür sorgen, dass der Fall aufgeklärt und Ebrima B. Manneh sofort freigelassen wird. Deshalb schreiben sie Briefe an die gambische Regierung und versuchen, mit selbst entworfenen Postkarten auf sein Schicksal aufmerksam zu machen. „Viel mehr als Briefe schreiben können wir da einfach nicht machen“, meint Maren. <br /><br /><b>Aber allein dieser</b> kleine Anfang ist ein großes Zeichen: Da sitzen vier Leute regelmäßig zusammen und sorgen sich und grübeln darüber, wie sie einem wildfremden Menschen aus seiner Not helfen können. Völlig egal, ob er über sechstausend Kilometer weit entfernt von ihnen lebt. Diese vier Leute sind die Stimme eines Menschen, der selbst keine Stimme mehr hat. Sie kämpfen dagegen, dass er vergessen wird. Zyniker würden das einen Tropfen auf den heißen Stein nennen. Für mich wird hier deutlich, was die strahlende Kerze auf dem Logo bedeutet. Schon ein altes Sprichwort sagt: „Es ist besser, eine Kerze anzuzünden, als die Dunkelheit zu verfluchen.“ &lt;&lt; <br /><br /><i><b>Kristina Petzold</b> trägt inzwischen gern Amnesty-Farben.</i></p>]]></content:encoded>
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			<pubDate>Tue, 24 Apr 2012 09:00:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Wenn der Glaube krank macht ...</title>
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			<description>Kann doch gar nicht sein. Sie glauben an Jesus Christus, den Wunderheiler und Gesundmacher, der...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext"><b><br />Laura hatte immer </b>alles richtig gemacht. Bekehrung und Taufe mit 14, Heirat mit 20. Zwei Kinder, Eigenheim, Hund. Mitglied in einem Hauskreis, Mitarbeit im Anbetungsteam. Das Leben war schön. Aber dann das dunkle Tal. Erst merkte es niemand – noch nicht einmal sie selbst. Aber etwas wurde anders. Wenn die Familie das Haus verließ, war nichts mehr da. Der Tagesablauf verlor seine Struktur. Immer schwerer wurde es, Dinge zu erledigen, Listen abzuarbeiten, Termine einzuhalten. Schließlich kam der Zusammenbruch. Klinikaufenthalt. Therapien. <br /><br /><b>Maik war immer </b>unauffällig gewesen. Zu Hause der Jüngste, die Eltern in der Gemeinde engagiert. Er arbeitete in der Jungschar mit, moderierte manchmal den Gottesdienst. Klar, nachdenklich wirkte er schon, vielleicht etwas melancholisch. Aber er hatte Freunde, war beliebt. Man konnte auf ihn zählen. Dass er eines Tages das Auto der Eltern nahm, in ein Feld fuhr und auf den Hochspannungsmast kletterte, hatte niemand kommen sehen. <br /><br /><b>Schicksale</b>, die verunsichern. Wer weiß, was in solchen Menschen vorgeht. Was haben sie falsch gemacht? Haben sie etwas falsch gemacht? Wurde mit ihnen etwas falsch gemacht? Es wäre alles so viel einfacher, wenn es eine Betriebsanleitung gäbe. Eine Checkliste, die man nur abzuarbeiten braucht, um Glück und Gesundheit zu erreichen. Manche sagen, die gäbe es, und winken mit ihrem ledereingefassten Neuen Testament. Aber das hatten Laura und Maik ja auch. Es ist – man ahnt es schon – komplex. Trotzdem gibt es Faktoren, die Glauben befreiend machen und andere, durch die er zu einem schädlichen, krank machenden Glauben wird. Meine persönliche Überzeugung ist dabei: Glaube macht krank, wenn es nicht um den Menschen geht. <br /><br /><b>Einer der potenziell </b>krank machenden Faktoren von Religion ist aus meiner Sicht das Beimengen von Konservierungsstoffen. Darunter verstehe ich die Tendenz, Glauben zu einem dauerhaft haltbaren Besitz zu machen. Verständlich ist es ja, dass ich festhalten will, was mir wohl tut und Sicherheit spendet. Das ist mir etwas wert. Aber wie viel ist es mir denn wert? Wie weit gehe ich? Oft wird uns gesagt: Du musst dich zusammenreißen, gegen deinen Instinkt handeln. Stille Zeit machen, auch wenn wir keine Lust dazu haben. Die Gemeinde besuchen, auch wenn uns der Sinn nach etwas anderem steht. Manchmal ist das ja auch ein guter Impuls. Nur nach dem Lustprinzip zu leben, macht sicher nicht glücklich. Aber wo ist die Grenze? Wo macht es keinen Sinn mehr, religiöse Kochrezepte unreflektiert zu übernehmen, wo muss ich improvisieren? Das geht dann manchmal leider auf Kosten des Wohlfühlfaktors. Veränderung kostet etwas. Der Glaube, wie ich ihn kenne, löst sich da eventuell ein Stück auf. Er verändert sich. Darf das sein? Oder müssen da noch mehr Konservierungsstoffe her?<br /><br /><b>Nicht ich soll </b>meinen Glauben besitzen, sondern mein Glaube mich. Aber das ist leicht gesagt. Natürlich will ich festhalten, was mir Halt gibt. Festhalten kann aber zu Verkrampfen führen, Verkrampfen kann krank machen. Wo ist die Grenze? Ich werde es für mich selbst entscheiden müssen. Vielleicht auch einmal Hilfe in Anspruch nehmen, das Gespräch mit Menschen suchen, die mich auf dem langen Weg der Entwicklung meines eigenen Glaubens unterstützen und begleiten. Eventuell hätte das bei Laura und Maik einen Unterschied gemacht.<br /><br /><b>Als zweiten möglichen</b> Krankmachfaktor sehe ich Erfolgsorientierung und Wohlstandsevangelium. Wenn es mir gut geht, geht es auch meiner Gottesbeziehung gut. Jedenfalls hinterfrage ich sie nicht. Solange ich funktioniere, funktioniert mein Glaube. Aber wo lerne ich, mit Misserfolgen umzugehen? Wo höre ich, dass auch dies zum Leben dazugehört? Manchmal kommt in schweren Zeiten die Frage auf, ob Gott mich straft und züchtigt. Der liebevolle Gott rutscht mir aus dem Fokus, stattdessen male ich mir eine strafende Gottheit vor Augen, deren Zorn mich trifft. Und so geht mir die wichtigste Unterstützung, die ich in meinem Leben kenne, verloren. <br /><br /><b>Hand aufs Herz</b>, irgendwie sind wir doch alle etwas auf fromme Erfolge gepolt. Gott will Wachstum, Gott will Karriere, Gott will Traumpartnerschaft. Erfolg und Glück werden schnell mit dem „richtigen“ Glauben gleichgesetzt. „Erfolg ist keiner der Namen Gottes“, setzte Martin Buber dem entgegen. Ja, Gott will mein Glück. Aber nein, das muss nicht unbedingt bedeuten, dass ich ständig nur Erfolg habe. Und nein, Gott hat mich nicht verlassen, wenn ich einmal eine Pechsträhne habe. Wenn es mir zeitweise schlecht geht, spüre ich sehr schnell die Begrenztheit und Einengung eines erfolgsorientierten theologischen Konzepts. Ich passe nicht mehr hinein, es passt nicht mehr zu meinem Leben. Folge: Ich trenne mich von ihm. Etwas anderes kenne ich ja nicht. Hatten Laura und Maik diese Angst vor dem Unbekannten? <br /><br /><b>Als dritten krank machenden</b> Faktor sehe ich eine gewisse Tendenz zur Hörigkeit im frommen Kontext. Ständig sagen mir andere, was gut und was schlecht für mich ist, was Jesus traurig macht und was er gut findet. Immer wieder werde ich gegen den Strich gebürstet, soll umkehren (egal, was ich gerade tue) und Buße tun. Da kann schon einmal das Gespür für das, was ich will und was mir gut tut, leiden oder auf der Strecke bleiben. Da, wo Gehorsam statt Mündigkeit gefördert wird, erzielen religiöse Gemeinschaften kurzfristige Erfolge auf Kosten einer langfristigen Lebensfähigkeit ihrer Mitglieder. Der Impuls, mich anzupassen, um dabei zu bleiben, ist stark. So kann ich dann zu einem frommen Bonsaibäumchen werden – eine verkrümmte, angepasste Topfpflanze, die recht hübsch anzusehen ist, aber irgendwie auch Mitleid erweckt. Gesund sieht das wahrlich nicht aus. <br /><br /><b>Wo muss ich</b> auf meine innere Stimme hören, die mir rät, von der Norm abzuweichen, Eigenes zu tun, Individuum zu sein? Wie sieht sie aus, die vielzitierte persönliche Gottesbeziehung, die ich selbst in erster Linie vor meinem Herrn verantworte? Auch hier ist ein möglicher Schritt der, mich Menschen anzuvertrauen, im Gespräch einen Weg zu suchen, der mein Weg sein kann, der meinen Glauben auf gesunde Weise stärkt. Je mehr Verantwortung ich auf meiner eigenen Reise mit Gott auf mich nehme, desto stärker und krisenfester kann unsere Verbindung werden. <br /><br /><b>Das bedeutet nicht</b>, dass ich mir nichts mehr sagen lasse. Feedback und Korrektur sind wichtig. Aber nur dann, wenn sie als Angebot formuliert werden, wenn sie mir zur Verfügung gestellt werden, damit ich selbstverantwortlich etwas daraus machen kann. Frommer Kadavergehorsam dagegen entmündigt und macht krank. Vielleicht hatten Laura und Maik sich hier zu sehr angepasst, und es fehlte der Mut zum Eigenen? <br /><br /><b>Ein vierter Faktor</b>, der die drei ersten teilweise mit einschließt, ist eine häufig zu beobachtende Konfliktscheu. Die erkenne ich oft auch bei mir selbst: Wie viel von dem, was mir nicht passt und was mich ärgert, behalte ich für mich, anstatt Differenzen anzusprechen und zu nutzen, um Beziehungen eine Chance zur Weiterentwicklung zu geben? Manchmal halte ich einen Konflikt für aussichtslos, weil ich die Lösung nicht schon im Vorfeld erkennen kann. Deshalb scheue ich mich, meine Sicht der Dinge mitzuteilen. Ich glaube nicht, dass das etwas bringen kann. Diese Haltung aber macht Beziehungen ärmer, als sie sein könnten, schädigt mein soziales Netz. Und, noch tragischer: Die Menschen um mich herum lernen nur den vermeintlich dekorativeren, netteren Teil von mir kennen. Was wohl passiert wäre, wenn Laura ihre Traurigkeit und Leere mitgeteilt hätte, wenn Maik mit seinen Freunden über seine Perspektivlosigkeit gesprochen hätte? Vielleicht hätte es Angst und Enttäuschung gegeben. Aber sicher auch Verständnis, Sympathie, Unterstützung. Untergegangen wäre ihre Welt nicht. Aber da war wohl die Angst vor diesem vermeintlichen Untergang, die sie lähmte und nicht losließ. Unseren Gemeinden und Gruppen tut es gut, mit Spannungen dieser Art konfrontiert zu werden und zu lernen, sie auszuhalten. So ist das Leben. Zurückhaltung und Tabus beschränken dieses Leben und machen Gemeinden zu einem Ghetto falscher, vorgespielter Glückseligkeit. Gesund ist das nicht. <br /><br /><b>Krank machender Glaube</b> hat viel mit Angst zu tun. Und der haben wir mit dem lebenszugewandten Evangelium der Liebe und Menschenfreundlichkeit doch eine ganze Menge entgegenzusetzen. Jesus hat sich stets gegen einen Glauben gewandt, der einengt, beschränkt und reglementiert. Die falsche Sicherheit von blind befolgten Vorschriften bekämpfte er mit derselben Leidenschaft, mit der er Krankheiten aller Art heilte. Er setzte also nicht nur auf die Behandlung erkrankter Menschen, sondern investierte auch intensiv in Prävention. <br /><br /><b>Dabei geht es natürlich</b> nicht um Beliebigkeit. Auch Prävention kennt Regeln. Jesus macht sie uns vor: Sein Interesse gilt den Menschen, sich selbst und einer lebendigen, lebenstauglichen Gottesbeziehung. Eine Gemeindekultur, die gesund bleiben oder werden will, muss sich daran messen lassen, wie Jesus Beziehung zum Nächsten, zu sich selbst und zu Gott lebte. Manche Kritik, die Jesus am religiösen Establishment seiner Zeit übte, gilt auch für den gemeindlichen Betrieb unserer Zeit. Die Faktoren sind zeitlos: autoritäre Strukturen, geistige und geistliche Stagnation, Liebesunfähigkeit, Hass gegen Andersdenkende. Eine Gemeindekultur, die Glauben und Wahrheit als Besitz versteht, der verteidigt und verwaltet werden muss, ist nicht gesund. Sie wird immer die Tendenz zum religiösen Missbrauch haben, wenn sie Macht ausübt, ohne Liebe zu empfinden und zu verbreiten. <br /><br /><b>Der Glaube, den Jesus </b>uns vorgelebt hat, ist anders. Er ist auf der Suche, er jagt der Wahrheit nach, ohne sich jemals einzubilden, sie in Händen zu halten. Er bleibt neugierig, bleibt dem Leben und den Menschen zugewandt. <br /><br /><b>Stressfrei und ohne Krisen</b> wird mein Leben auch auf diese Weise nicht sein. Aber das hat ja auch niemand behauptet. Meine Chancen, ohne ein religiös bedingtes Trauma Leben zu gestalten, stehen jedoch sehr viel besser, wenn ich Verantwortung für mein Leben übernehme. Auch wenn diese Erkenntnis für Maik leider zu spät kommt – Laura wird dies vielleicht im Rahmen ihres therapeutischen Prozesses für sich entdecken.<br /><b><br /><br /><i>Tom Schönknecht </i></b><i>will sich die Freiheit bewahren, der Wahrheit nachzujagen.</i></p>]]></content:encoded>
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			<pubDate>Thu, 19 Apr 2012 11:46:32 +0200</pubDate>
			
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			<title>&#132;Alle reden von der Macht der Verbraucher &#150; wir leben sie!&#147;</title>
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			<description>Im Zeichen der Karotte verändert ein Zusammenschluss sensibler Konsumenten die Welt, Laden für...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext"><b><br />„Ich kann Flashmobs</b> nicht leiden“, sagt Nina, 23. Direkt über ihrem Kopf schwebt eine große Karotte aus Pappkarton. Es ist Samstagvormittag, sie steht im Buchladen Neusser Straße in Köln und ist ungewollt Augenzeugin eines intelligent gewordenen „Smart Mobs“ – der zielgerichteten, kreativ-kritischen Version des Flashmobs. Dass Nina gerade unfreiwillig eine gute Tat tut, verdankt sie der sozial-ökologischen Form der Smart Mobs, genannt: Carrotmob.<br /><br /><b>Der Ausdruck</b> kommt aus dem Amerikanischen, abgeleitet von der Redewendung „carrot and stick“, was dem deutschen „Zuckerbrot und Peitsche“ entspricht. Die Karotte ist die Belohnung, der Mob steht für eine Massenversammlung. Carrotmobs stehen quasi für organisiertes Massenshoppen für den Klimaschutz: Sie lenken die Kaufkraft zu Unternehmen, die bereit sind, „etwas für die Umwelt zu tun“. So inflationär diese Phrase auch gebraucht wird – sie bietet teilnehmenden Unternehmen keine Chance, sich hinter ihr zu verstecken: Wer mitmachen will, muss in Energieeffizienz investieren und so seinen Beitrag zum nachhaltigen Wirtschaften leisten. Im Gegenzug profitieren die Firmen von dem öffentlichen Aufruf, am Tag X genau in diesem Laden einzukaufen oder zu essen. Eine einfache Rechnung, die aufgeht.<br /><br /> <b>Peer ist 27 Jahre</b> alt und einer von denen, die etwas für das „nachhaltige Gleichgewicht“ tun wollen. Er ist Teil des Carrotmob-Teams in Köln, deren Mitglieder im „echten Leben“ in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig sind: Web-Entwickler, Sommelier, Student und Anwältin arbeiten im Zeichen der Karotte Hand in Hand. Was sie gemeinsam haben? Etwas pathetisch ausgedrückt: Coolness, Engagement, Kreativität und Fähigkeit. Dass sie sich im Winter 2010 als Ortsgruppe zusammenschlossen, verdanken die Kölner Carrotmobber der Deutschlandzentrale in Berlin, die nach ihren ersten Aktionen in der Hauptstadt E-Mails aus ganz Deutschland erhielt und Interessierte vor Ort vernetzte. Noch sind sie wenige, bis jetzt ist die Mitgliederzahl in Köln einstellig. Nichtsdestotrotz ist die Gruppe sehr aktiv und organisiert in ihrem dritten Jahr schon den sechsten Carrotmob. <br /><br /><b>Die Kontaktaufnahme</b> zur Wirtschaft verläuft dabei immer nach demselben Muster: Die ehrenamtlichen Carrotmob-Organisatoren sprechen Läden einer bestimmten Branche an, diese geben dann ein Gebot darüber ab, welchen Anteil des Tagesumsatzes sie am Aktionstag in Klimaschutzmaßnahmen investieren würden. Wer am meisten bietet, darf den Aktionstag mit dem Carrotmob- Team veranstalten. Die Bäckerei Ährensache versprach sogar, 150 Prozent der Tageseinnahmen in Energieeffizienzmaßnahmen zu investieren: Auf jeden Euro, der eingenommen wurde, legte der Bäckermeister noch einmal fünfzig Cent obendrauf. Peer: „So einem Angebot konnten wir natürlich nicht widerstehen.“ Beim Carrotmob im Bioladen Naturata kamen satte 7.566 Euro (etwa CHF 9.115) für den Klimaschutz zusammen. Das ist die größte Summe, die bisher in Deutschland bei einem Carrotmob erzielt wurde. Lange soll der Rekord aber nicht halten: „Wir hoffen natürlich, dass das bald wieder von einem anderen Carrotmob übertroffen wird.“<br /><br />„Inzwischen spricht sich das Engagement der Carrotmobber in der Einzelhandelslandschaft auch von alleine herum. Immer häufiger treffen Initiativbewerbungen bei der Kölner Ortsgruppe ein“, erzählt Peer stolz. <br /><br /><b>Für einen Carrotmob</b> im November 2011 haben die Organisatoren den Kölner Buchhandel auserkoren. Der Buchladen Neusser Straße bietet dreißig Prozent vom Tagesumsatz – und erhält den Zuschlag. Deshalb bekommt der kleine, aber besondere Laden von Dorothee Junck vorab Besuch von einem Energieberater, der schnell Handlungsbedarf erkennt: „Der alte Lastenaufzug frisst viel zu viel Energie. Da muss ein neuer her.“ Zur gleichen Zeit läuft die Werbekampagne an: Das Carrotmob- Team druckt fleißig Plakate und Flyer, promotet auf Facebook und Twitter. In der Buchhandlung wird ein „Nachhaltigkeitstisch“ aufgestellt. Am Tag X dann, der ganz im Zeichen der Karotte steht, sind ein paar mehr Mitarbeiter als sonst im Laden, verkaufen eifrig, erzählen und erklären. Und das Carrotmob-Team? „Brauchen Sie in nächster Zeit ein Geschenk?“, spricht einer von Peers Kollegen einen Anzugträger vor dem Buchladen an. „Wenn Sie das heute hier kaufen, dann tun Sie damit auch der Umwelt was Gutes, ohne dass es Sie mehr kosten wird.“ Der Passant ist etwas perplex, antwortet: „Och ja, dann schau ich doch mal“, und verschwindet spontan im Laden. Vor dem Schaufenster sorgt eine Band für Stimmung und überall: die omnipräsente Karotte, die in allen möglichen Größen aufgehängt wurde. <br /><br /><b>Wer jetzt nach</b> dem Haken sucht, wird lange suchen müssen. Es gibt keinen. Wirklich opfern muss niemand was, jeder gewinnt. Diese schlaue Veränderungsaktion fordert jeden, überfordert aber nicht. Gefragt sind aktives Handeln und Entscheiden. „Man hat das Gefühl, sich selbst und die Welt zu beschenken, wenn man heute hier einkauft“, sagt ein Kunde euphorisch. Und Nina, die immer noch Bücherkisten durchwühlt, fügt hinzu: „Ja, man kauft sich sogar Bücher, die man schon länger haben wollte, sich aber nie leisten wollte.“ Wer seine Fundstücke auf die Ladentheke legt und das Geld herauskramt, darf etwas zum großen Ganzen beitragen. Auf diese Weise aktivieren und nutzen die Carrotmobber die Schwarmintelligenz. „Alle reden von der Macht der Verbraucher – wir leben sie!“ ist der Slogan, der auf den Flyern steht. Das ist keine Drohung, sondern eine Zusage: „Uns ist es wichtig, eine Aktion für den Laden, für den Konsum zu starten; anstatt etwas Schlechtes zu boykottieren, lieber etwas Gutes unterstützen“, betonen Peer und die anderen Carrotmob-Organisatoren. Ein Boykott des Boykott quasi, eine Promotion des bewussten Konsums. Es ist eine Win- Win-Situation, wie sie im Nachhaltigkeits- Bilderbuch stehen könnte: Mehr Kunden, mehr Umsatz für den Laden, Investitionen für die Umwelt – und alle haben ein gutes Gefühl dabei. <br /><br /><b>Auch Dorothee Junck,</b> die dreißig Prozent des Tagesumsatzes vertraglich zugesichert in einen neuen Lastenaufzug stecken wird, zieht am Ende des Tages ein durchweg positives Fazit. Den Tagesumsatz eines normalen Samstags hat der Buchladen bereits am Mittag übertroffen, am Ende des Carrotmob-Samstags in der Neusser Straße rechnet die Buchhändlerin stolz aus: dreitausend Euro wird der Laden reinvestieren und so tonnenweise CO2 im Jahr einsparen. Dass der Verbraucher mächtig ist, hat er an jenem Samstag im Oktober gezeigt. Ob er diese Macht wirklich zu nutzen weiß, wird sich zeigen.<br /><br /><i><b>Uta Rosa Ströbel </b>beteiligte sich auch am Umsatz und erstand an jenem Tag „Empört euch“ von Stéphane Hessel. Versehentlich mit Plastiktüte.</i></p>]]></content:encoded>
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			<category>dran_workshop</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 12 Apr 2012 08:00:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Worship-School of Rock</title>
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			<description>Es ist das Traumszenario für christliche Nachwuchsmusiker: Mit ihrer Berufung Geld verdienen und...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2><b><br />Worship Academy</b></h2>
<p class="bodytext">Das Angebot der Worship Academy umfasst 27 Seminare und Veranstaltungen aus den Bereichen: Allgemeine Seminare (zum Beispiel Lobpreisleitung, Songwriting), Werkstatt für Spiel- und Gesangstechnik (zum Beispiel Gesangstechnisches Coaching, Spieltechniken) und Live-Musik (zum Beispiel Live-Worship für Sänger und Instrumente). Über eine amerikanische Uni kann das „Certificate of Christian Worship Ministry“ erworben werden. Ebenso kann der Bachelor oder Master gemacht werden. Die Seminare finden alle an Wochenenden statt und es gibt keine zeitliche Begrenzung für den Abschluss, keine Aufnahmeprüfung und keine Anmeldung. Die Worship Academy verfolgt das Ziel, dass die Anbetung der Gemeinde „kulturgerecht“ dient, Gott zu begegnen. Die Absolventen arbeiten im Anschluss als Lobpreis-Pastoren und Lobpreiskünstler oder sind Verantwortliche für den Lobpreis in ihren Gemeinden. <br /><br /><b>Drei Fragen an Martin Willen <br /></b><br /><i>Wo hat dich die Akademie bisher weitergebracht? <br /></i><br />Ich kam von den Seminaren stets in meine Gemeinde zurück und konnte das Gelernte gleich umsetzen und weitervermitteln. Die Seminare sind sehr praxisorientiert. <br /><br /><i>Deine größte Herausforderung zurzeit? <br /></i><br />Dranzubleiben und mich gezielt für den Abschluss vorzubereiten. Meine größte Frage: „Wie hoch sind die musiktheoretischen Anforderungen?“ <br /><br /><i>Warum kannst du empfehlen, dort zu studieren? <br /></i><br />Weil es auch für Berufstätige machbar ist, sowohl was Lernstoff als auch, was Seminarlänge angeht. Der Ortsgemeinde wird durch die Akademie in geistlichen und musikalischen Themen echte Hilfe geboten, im Lobpreis weiterzukommen. Außerdem sind die Dozenten stets bestrebt, auf Fragen der Teilnehmer einzugehen.<br /><br /><b>Facts<br /></b></p>
<p class="bodytext">Web: www.worshipacademy.de <br />Ort: D-Altensteig (Schwarzwald) <br />Träger: Jugend-, Missions- und Sozialwerk e.V. <br />Existiert seit: 2001 <br />Kosten: ab € 150,– (circa CHF 180.–) für ein Wochenendseminar inklusive Vollpension <br />Anzahl der Studenten/Studienplätze: Derzeit 1.800 <br />Unterrichtssprache/n: Deutsch <br />Leitung: Gaetan Roy <br />„Flaggschiff“-Dozenten: Albert Frey, Lothar Kosse, Marion Warrington, Arne Kopfermann <br />Vorkenntnisse: nicht nötig<br /><br /><br /></p>
<h2><b>SchallWerkStadt</b></h2>
<p class="bodytext">In der SchallWerkStadt erwartet die Studenten ein praxisnahes Ausbildungsprogramm bestehend aus Musik, Theologie und Persönlichkeitsbildung. Zudem gibt es Gelegenheiten, bei kleineren Konzerten, Konzert-Tourneen, evangelistischen Diensten und im Tonstudio, künstlerisch zu wachsen. Die SchallWerkStadt will begabte Musiker, Musikproduktions- und Musikbusiness-Studenten durch eine ganzheitliche Ausbildung mit charakterfördernden und handwerklichen Schulungsinhalten für den Dienst im christlichen und allgemein künstlerischen Kontext vorbereiten. Grundsätzlich will sich das Programm als „Lebensschule“ verstanden wissen, als ein Ort, an dem intensiv Beziehung und Gemeinschaft gelebt wird. Nach Abschluss gibt es die Möglichkeit, weitere zwei Jahre am VMC in Memphis dranzuhängen, um dort den Bachelor of Ministry in seinem Fachgebiet abzuschließen. <b><br /><br />Drei Fragen an Thomas Pätkau <br /></b><br /><i>Wo hat dich die Akademie bisher weitergebracht? <br /></i><br />Musikalisch, geistlich, aber auch zwischenmenschlich habe ich Veränderungen festgestellt. Mit jeder Unterrichtseinheit werden neue musikalische Welten eröffnet. In den geistlichen Fächern lerne ich Gott immer mehr kennen und erlebe im Alltag seine Führung. Das Leben mit sieben Jungs in einem Haushalt lässt mich auch zwischenmenschlich reifen, weil jeder seine ganz speziellen Eigenschaften mit in die Gemeinschaft einbringt. <br /><br /><i>Deine größte Herausforderung zurzeit? <br /></i><br />Alle Aufgaben mit der gleichen Intensität zu bewältigen. Ich merke im Alltag mehr und mehr, wie schwierig es ist, alle Hausaufgaben zu machen, praktisch an meinem Instrument zu üben, und dabei dann noch alle häuslichen Pflichten zu erfüllen und meine Stille Zeit mit Gott zu finden. <i><br /><br />Warum kannst du empfehlen, dort zu studieren? <br /></i><br />Die SWS ist ein tolles „Allroundpaket“. Hier reife ich in jeder Hinsicht, und das in einem sechshundert-Einwohner-Dorf. An der SWS kann ich meine Kreativität in einer Weise ausleben, wie der Alltag es mir einfach nicht bietet.<br /><br /><b>Facts<br /></b><br />Web: www.schallwerkstadt.de<br />Ort: D-Kandern-Holzen (Nähe Freiburg/Basel)<br />Träger: Janz Team e.V.<br />Existiert seit: 2011<br />Kosten: € 9.000,– (circa CHF 10.800.–) für das zehnmonatige Ausbildungsjahr (zwei Semester) inklusive Miete<br />Anzahl der Studenten/Studienplätze: 25 bis 30<br />Unterrichtssprache/n: Deutsch (Englisch nach Bedarf)<br />Leitung: Marc Eglès<br />„Flaggschiff“-Dozenten: Anja Lehmann, Danny Plett, Klaus Bittner, Greg Davis<br />Vorkenntnisse:<br />&gt; entschiedener Christ<br />&gt; mindestens 18 Jahre<br />&gt; zwei Jahre Erfahrung an seinem<br />Instrument oder ein Jahr professionellen<br />Unterricht<br />&gt; Band-Erfahrung von Vorteil<br /><br /><br /><i><b>Drei weitere &quot;Worship-Schools of Rock&quot; werden in der aktuellen Ausgabe der dran vorgestellt!</b></i></p>]]></content:encoded>
			<category>dran</category>
			<category>dran_musikbuchfilm</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 05 Apr 2012 08:00:00 +0200</pubDate>
			
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			<title>Tauschen und Teilen ist wieder in.</title>
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			<description>Ob Couchsurfing, Kleidertauschpartys, Carsharing, Mitfahrgelegenheiten, Online-Tauschbörsen oder...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext"><b><br />Hinter der Wand</b> zur Nachbarwohnung könnte sie liegen, die Kuchenform oder der Schraubenzieher deiner Träume, den du gerade jetzt brauchst! Aber du weißt natürlich nichts davon. Schade. Wir alle besitzen Dinge, die wir nicht ständig brauchen. Die Couch, das Auto, das Fondue-Set – inzwischen sind wir so schlau, uns digitale Netzwerke zu schaffen, die genau die Informationslücke schließen, die früher nur das Klopfen an sämtlichen Nachbarstüren aus der Welt schaffen konnte. Immer mehr Leute lassen sich auf das Abenteuer ein, zu tauschen und zu leihen, anstatt sich Sachen selbst zu kaufen. Wie zum Beispiel Carolin Geiser. Sie und viele andere deutsche Großstädter finden, dass Straßenbahn und U-Bahn ein eigenes Auto überflüssig machen. Eng wird es eigentlich nur, wenn die selbstständige Jugendreferentin mit Equipment bepackt irgendwo in die deutsche Pampa gondeln muss. „Das ist mit den öffentlichen Verkehrsmitteln eher anstrengend.“ Aber für die paar Fahrten ein Auto kaufen? Für Carolin ist das nicht nur eine Geldfrage. Und so leiht sie sich lieber die Autos von wildfremden Menschen – via autonetzer.de. Das ist eine Online- Plattform zum privaten Carsharing. Menschen mit einem Auto, das sie nur selten brauchen, können online Menschen finden, die kein Auto haben, sich aber für einzelne Fahrten gern eins leihen würden. „Das macht die Welt ein bisschen menschlicher“, findet Carolin, die nach dem Autodeal gerne noch eine Tasse Kaffee mit dem Autobesitzer trinken geht.<br /><br /><b>Wenn sich der Deutsche</b> und der Schweizer von seinem liebsten Stück trennt – und sei es auch nur auf Zeit –, dann spricht das für einen soliden Trend. Und tatsächlich setzen Start-ups immer häufiger auf Tauschen, Leihen, Mitfahren oder privates Übernachten. Das Prinzip ist immer das gleiche: Man nehme eine richtig gute Idee, erstelle ein Online-Netzwerk, das irgendwie auch einem wirtschaftlichen Nutzen dient, und warte, dass Menschen sich darin vernetzen, um Geld, Zeit oder Energie zu sparen. Der persönliche Vorteil steht zwar im Vordergrund, aber auch der Wunsch, anderen Menschen zu begegnen. Nebenbei stellt man den Marktführern der jeweiligen Branche ein Beinchen. Das drückt dem ganzen noch den Alternativ-Stempel auf – quasi das Salz in der Suppe der Sharing-Bewegung, die eigentlich noch keinen richtigen Namen hat.<br /><br /><b>Und die Etablierten</b> reagieren gereizt: 2011 entwickelte sich Alexander Kuhr zum Vorzeige-Revoluzzer der Sharing-Bewegung, weil er sich als Mitbegründer von deinbus.de an das Beförderungsmonopol heranwagte und prompt von der Deutschen Bahn verklagt wurde. Das Unternehmenskonzept des Start-ups ähnelt dem von Mitfahrgelegenheiten, nur ist es im Durchschnitt sieben Meter länger. Auf deinbus.de kann man Busse leihen, die geplante Fahrstrecke online stellen und abwarten, dass sich genügend Mitfahrer melden. Den Bus steuern muss einer der Teilnehmer selbst. Berlin–Prag mit dem Bus ohne Rentner und Besuch im Klöppelmuseum? Das geht fast nur über deinbus.de, weil die Bahn in Deutschland seit 1934 das staatlich gesicherte Monopol auf Fernstrecken hat.<br /><br /><br />Gegen die Klage der Bahn haben sich die Fernverkehrspioniere inzwischen erfolgreich zur Wehr gesetzt. Aber warum das Ganze? „Uns hat einfach geärgert, dass man in Deutschland nicht die Wahl hat, welches Verkehrsmittel man nimmt“, sagt Alexander, der bei dem Thema so richtig warmläuft. „Warum hat die Deutsche Bahn ein Beförderungsmonopol auf Fernstrecken in Deutschland? Warum hat die das seit achtzig Jahren? Und warum tut da niemand was dagegen?“ Auf den Bus gekommen ist Alexander aus Überzeugung. Er schätzt den offenen Umgang im Bus, der sich von den Bahnfahrern deutlich unterscheidet: „Es mag sich ein bisschen abgedroschen anhören, aber so eine Busfahrt, die ist lustig. Und alles in allem – das finden wir auch – ist der Bus ein ziemlich sympathisches Fortbewegungsmittel.“ In seinen Bussen sollen sich schon junge Menschen kennen und lieben gelernt haben. Aber auch das möchte sich Alexander nicht auf die Werbefahne schreiben. „Wir sind ja keine Partnervermittlung.“<br /><br /><b>Woher kommt</b> die Tausch- und Teilbegeisterung? Sind wir einfach schlauer als unsere Eltern? Oder gleich bessere Menschen? Oder hatten wir nur das Glück, als Digital Natives aufzuwachsen? Die australische Forscherin Rachel Botsman hat sich in ihrem Buch „What’s mine is yours: The rise of collaborative consumption“ mit diesem Thema beschäftigt. Sie ist sich vor allem sicher, dass der „kollaborative Konsum“ weder Nischentrend noch reaktionäres Strohfeuer ist, das sich nur aus der Wirtschaftsverdrossenheit nach der Finanzkrise speist. Dagegen sprechen ihrer Meinung nach auch die Zahlen: Millionen von Teilnehmern aus allen Teilen der Erde konsumieren gemeinsam. 2011 waren bei CouchSurfing beispielsweise über 3 Millionen Mitglieder in 246 Ländern registriert. Mitfahrgelegenheit.de rühmt sich selbst auf der Startseite mit 3.578.178 registrierten Mitgliedern in Europa. Botsman meint, den Grund für die flächendeckende Beteiligung zu kennen: Teilen ist natürlich. Sie sieht nämlich auch in ihrem Buch im anonymen Konsum des 20. Jahrhunderts die Abweichung von der Norm, nicht umgekehrt. Seit jeher haben sich Menschen in Gruppen organisiert, gemeinsam gejagt oder gesammelt und Handel untereinander betrieben. Der Wegfall des face-toface- Handels durch Fließbandherstellung und Massenkonsum war ein Bruch der uralten Handelstraditionen. Wir haben das Rad also nicht neu erfunden, wir haben es wiederentdeckt. Die Technologie des Internets bringt die alten Formen des Vertrauens zurück, sagt Botsman.<br /><br /><b>Philipp Rogge</b> ist Gründer und Geschäftsführer von frents.com, dem sozialen Netzwerk „für Freunde und Sachen“. Dort können Menschen, die sich online miteinander vernetzen, Dinge tauschen, leihen oder verkaufen. Damit kann man die versteckten Ressourcen nutzen, die im eigenen Freundeskreis und in der Nachbarschaft verborgen liegen. Philipps Lohn sind die vielen kleinen Transaktionen, die über frents.com entstehen. „So haben wir vielen Menschen schon eine kleine oder große Freude bereitet – und das macht mich sehr glücklich.“ Für einen Mann der Wirtschaft, ist das ganz schön sentimental. <br /><br /><b>Auch wenn das Internet </b>absolut grundlegend war, damit wir wieder kollektives Wirtschaften lernen, gibt es doch noch andere Gründe, warum wir gerade jetzt wieder damit anfangen. Erstens ist die Menschheit in den letzten Jahrzehnten in vielerlei Hinsicht an die Grenzen der Alles-muss-mehr-Mentalität gestoßen Die Umwelt und auch die Wirtschaft protestierten, Ressourcen verknappen sich. Zweitens haben wir irgendwie nebenbei, und ohne es zu merken, das Teilen wiederentdeckt: im Internet 2.0. Auf Wiki, Facebook, Twitter, Ebay teilen wir Kommentare, Fotos, Dateien und Wissen mit mehr oder weniger Fremden und nehmen eine andere Art von Belohnung wahr: Wir sind Teil der Tauschgemeinschaft. Wir gehören dazu. Botsman ist überzeugt, dass wir im virtuellen Raum das Teilen als Kompetenz verinnerlichten und es jetzt auf die Offline-Welt übertragen. Neu daran ist vor allem eines: Kollaborativer Konsum erlaubt uns, Ressourcen zu teilen, ohne dabei wertvolle persönliche Freiheiten einzubüßen oder unseren Lebensstil zu opfern.<br /><br /><b>Durch die Absprache</b> übers Internet ist Carolin zum Beispiel völlig flexibel, was die Autos betrifft. Sie muss sich nicht auf lange Zeit mit einer Person arrangieren, von der sie dann abhängig ist. Und umgekehrt ist es für einen Verleihenden auch kein Problem, mal eine Anfrage abzulehnen. Die nächste Chance für den Bedürftigen ist ja nur einen Klick entfernt. Wäre die Kommunikation nur ein bisschen schwerfälliger, müsste man deutlich mehr opfern, um das gleiche Ergebnis zu erhalten. Mitfahrzentralen gibt es zum Beispiel auch schon länger als das Internet. Früher musste man da aber eine Zentrale in Bahnhofsnähe ansteuern, bei der man dann nur mit viel Glück erfolgreich einen Mitfahrer zugewiesen bekam. Kein Wunder, dass das kaum jemand gemacht hat. Das ist aus Botsmans Sicht auch das Spannendste am kollektiven Konsum: Er erfüllt die verhärteten Erwartungen auf beiden Seiten des Spektrums – sowohl auf der sozialistischen als auch auf der kapitalistischen Seite, ohne selbst eine Ideologie zu sein. Carolin steht auf große Autos und will „demnächst mal ’nen 3er-BMW ausleihen“, Alexander hat ein existenzbedrohendes Gerichtsverfahren gegen die Deutsche Bahn gewonnen, Philipp hat vor der Unternehmensgründung BWL studiert und einen theoretischen Plan für sein Unternehmen entworfen. Über allem steht: Wir sind keine Weltverbesserer! „Die Generation ‚Wir‘ besteht nicht aus Mutter-Teresas, sie ist nicht weniger konkurrenzfähig, kommerziell oder ehrgeizig als die Generationen davor“, weiß auch Botsman. Das zeigt sich zum Beispiel auch in den Rahmenbedingungen, die das Sharing seriös machen und ihm den Glücksspielcharakter nehmen: Ausgefeilte Bewertungskriterien, Kautionen und Versicherungen durch das netzwerkbetreibende Unternehmen spannen ein Sicherheitsnetz unter der digitalen Oberfläche, das mindestens so viel hält, wie alle Garantien der „analogen“ Welt versprechen.<br /><br /><b>Wie gut das trägt,</b> weiß man, wenn man doch mal den geliehenen Wagen schrottet. Carolin kann da aus Erfahrung sprechen. Ihr hat erst vor kurzem ein Rettungswagen den Außenspiegel eines Leihwagens mitgenommen. „Dann hatte ich also meinen ersten Versicherungsfall. War super einfach zu klären. Aber es ist irgendwie trotzdem aufregend, wenn du ein fremdes Auto hast.“ Carolin war vor allem gespannt, wie der Besitzer reagieren würde. Doch auch das lief sehr entspannt ab. „Man muss solche Sachen eben mit bedenken, wenn man sein Auto verleiht.“ Wer mitmacht, kennt das Risiko – und weiß gleichzeitig, wie gut er versichert ist.<br /><br /><b>Kollaborativer Konsum </b>wird niemals als alleiniges Wirtschaftssystem existieren, glaubt Botsman. Tauschen und Teilen können den kommerziellen Handel nicht komplett ersetzen. Die Welt ist bunter geworden und wird es auf lange Sicht bleiben. Dass kollaborativer Konsum ohne Ideologie funktioniert, liegt daran, dass er den Nerv der Zeit trifft und Vorteile für die Gemeinschaft und den Einzelnen bringt. „Ich glaube, dass wir als Gesellschaft an einem Punkt angelangt sind, an dem wir uns nicht nur über Besitz definieren“, glaubt Philipp Rogge. Soviel Idealismus muss dann doch sein. &lt;&lt;<br /><br /><i><b>Kristina Petzold</b> kommt autolos über die Runden. Aber an Teilen hatte sie auch noch nicht gedacht.<br /></i><i><br /></i><b>Lust auf Tauschen und Teilen? Wir haben eine Liste mit Links zu interessanten Internetseiten - vom Carsharing-Potal bis zur Online-Bücherei.&nbsp;</b><i style="font-weight: bold; "><a href="/dran-storage/tauschen-und-teilen.html" title="Opens internal link in current window" class="internal-link" >Hier geht's zur Liste</a></i></p>]]></content:encoded>
			<category>dran</category>
			<category>dran_jetztleben</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 30 Mar 2012 10:24:07 +0200</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Heimat von der Stange</title>
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			<description>Werbewirksam inszeniert begegnen uns Heimatgefühle, die gar nicht unsere eigenen sind. Die...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<p class="bodytext"><b>Früher beschlich</b> uns die Heimat immer sonntags. Die Familie rückte für die Zeit zusammen, Mama nahm sich das Strickzeug und Papa schob den frischgewaschenen Audi 100 ins Carport, um beim Fernseh-Highlight dabei zu sein. Heintje – Markenzeichen: grenzdebiles Lächeln – sang von Mama, Peter Alexander bediente seine Gäste im Hotel „Zum weißen Rössl“ und Hansi Kraus mimte den Lümmel von der ersten Bank. Meist mit dabei: die Alpen, Lederhosen oder zumindest eine ordentliche Tracht. Immer auch Prügel, meist aber dörfliches Leben, wie es in den Sechzigerjahren mal gewesen sein muss. Und das alles in Farbe. Sensationell. <br /><br /><b>Es sollte noch</b> <b>Jahre</b> dauern, bis ich mir darüber Gedanken machen würde, warum diese Schnulzenkomödiengattung „Heimatfilm“ genannt wird. Viel weiter von meinem Heimatgefühl konnte man gar nicht weg liegen: Ich bin in einer Kleinstadt am Rande des Bergischen Landes aufgewachsen, den Blick fest an das flache Düsseldorf geheftet, das graumelierte Ruhrgebiet um die Ecke. Mit den Alpen verband ich Urlaub, wie ich ihn nie machen wollte. Schon damals kam mir diese Liebe zu Volksmusik und Waldromantik verdächtig altbacken vor. Nicht meine Heimat. Und die offene Frage: Wenn das Heimat sein soll, wofür brauchen wir sie? <br /><br /><b>Heimat ist</b> die große Klammer für alle möglichen Sehnsüchte, die wir mit uns tragen. Heimat bezeichnet eine Beziehung zwischen dem Menschen und dem Raum, in dem er geboren und sozialisiert wurde. Heimat ist das Eingebettetsein in Beziehungen zu Menschen, zu Orten, zu Sprachen, Dialekten und Verhaltensregeln, Werten und „Meta-Erzählungen“. Dazu gehört auch der Glaube. Heimat beschreibt&nbsp;die Prägungen, die uns zu denjenigen gemacht haben, die wir heute sind. Sie bietet uns eine Perspektive, von der aus wir die Welt betrachten, zwischen Gut und Schlecht unterscheiden und zwischen Fremd und Vertraut. Hier liegt die Grundlage all dessen, was wir danach gelernt haben. Ihr verdanken wir unser Weltbild. Heimat ist deshalb Identität. <br /><br /><b>Unsere Heimat bildet</b> den räumlichen Hintergrund für unsere Kindheitsund Jugenderlebnisse. Der erste Kuss, leichtsinnige Mutproben, überwältigende Siege und bittere Niederlagen: Alles klebt an ein paar wenigen Straßenzügen, die man an einer Hand abzählen kann, an schangeligen Sporthallen und verwitterten Spielplätzen, die ihre besten Tage mit uns erlebt haben. Wo jede Begegnung ein Heimspiel war, können wir auch Jahre später noch innerlich ankommen. Heimat ist voll von Orten, die uns unser Leben lang nicht fremd werden, sondern nur befremdlich. Das prägt natürlich unser Verhältnis zu all den Orten, die nicht Heimat sind. Heimat ist im 21. Jahrhundert ein Ort, der verlassen werden muss. Zum Studium, zum Arbeiten, für den Urlaub. Und wie fühlen wir uns in der Fremde? Vor allem fremd. Deshalb braucht es die Ferne, damit wir wissen, was wir an der Heimat haben. Ferne aber produziert Sehnsucht, gespeist durch Bilder vergangener Tage. <br /><br /><b>Heimat – Abkehr von der Gegenwart</b> <br /><b>Im Deutschen</b> haben wir ein Wort aus dem Griechischen übernommen, das dieses Verhältnis zum Vergangenen beschreibt:&nbsp;Nostalgie. Würde man es direkt übersetzen, hieße es Heimkehrschmerz. Wer an Nostalgie „leidet“ – tatsächlich geht der Begriff auf den Schweizer Johannes Hofer zurück, der das Phänomen Heimweh 1688 erstmals als Krankheitssymptom benannte –, hat Sehnsucht nach Heimat. Der will sich in der Gegenwart wieder heimisch fühlen. Damit sagt er mehr über seine Gegenwart als über die Vergangenheit, auch wenn Nostalgiker gemeinhin als rückwärtsgewandt verschrien sind. Der Nostalgiker drückt aus: Ich lebe in der Fremde. Und werde mir hier fremd, wenn ich mich nicht bald wieder heimisch fühlen darf. <br /><br /><b>Auch die deutsche</b> Kulturanthropologin Ina-Maria Greverus hat individuelle „nostalgische“ Reaktionen vor allem bei sogenannten Versagern festgestellt, denen die zeitliche oder räumliche Vergangenheit einen Schutzraum für die Herausforderungen der Gegenwart bietet. Andererseits hat die Kulturanthropologin schon in den Siebzigerjahren zu erklären versucht, warum sich Nostalgiker von historischen Lebensstilen, die sie nicht selbst erlebt haben, angezogen fühlen. Mittelaltermärkte, Landhausstil, Kleingärtnerboom, Ostalgie: Ina-Maria Greverus erkennt darin die Botschaft, der „gegenwärtigen Gesellschaft den Entzug von Erlebensqualitäten“ vorzuhalten. Selbst wenn früher nicht alles besser war, verbinden sich mit dem Leben von damals Werte und Beziehungen, die man im Heute vermissen kann: Die nachbarschaftliche Solidarität, die großen Ideale des Sozialismus, die Beschaulichkeit des Dorflebens, der städtische Marktplatz als Lebensmittelpunkt des sozialen Raumes. Sogar die Kirche war noch im Dorf und alle gingen hin. <br /><br /><b>Für den britischen</b> Soziologen Anthony Giddens, der sich wiederholt öffentlich zu den Chancen und Risiken der globalisierten Welt geäußert hat, steckt hinter der Heimatsehnsucht die Erfahrung des „Dis-Embedding“, des Ungeborgenwerdens. Wenn Heimat sich über gemeinsame Erfahrung, das Eingebettetsein in stabilisierenden Meta-Erzählungen und verbindliche Regeln des Zusammenlebens bestimmt, dann ist die Erfahrung von Freiheit, Weite und schier unendlichen Optionen der Lebensgestaltung zugleich eine riesige Zumutung für unser Sicherheitsbedürfnis. Manch ein Jugendlicher würde das Rad gerne zurückdrehen, um in klaren Verhältnissen und tradierten Weltbildern Schutz zu finden. Tradition liegt im Trend. <br /><br /><b>War früher alles besser?</b> <br /><b>Ist also alles</b> nur Nostalgie, alles nur Hängen an Kindheitserinnerungen und Schutzbedürfnis? Nein, sagt die Psychologin Beate Mitzscherlich, die über das Thema Heimat promoviert hat. „Beheimatung ist in der Gegenwart nicht nur und nicht in erster Linie die Rückbesinnung auf Traditionen oder die nostalgische Sehnsucht nach einer Welt, die es so nicht mehr gibt und die wir auch nicht wiederbekommen werden, sondern die Auseinandersetzung mit der Welt, die wir um uns herum vorfinden, mit dem Anspruch, sie dem Bild einer ‚heilen’, heimatlichen Welt, das wir in uns tragen, ähnlicher zu machen.“ Mit anderen Worten: „Heimat ist etwas, was ich mache.“ Wir sind unseren Heimatgefühlen&nbsp;nicht ausgeliefert, sondern können uns beheimaten. Da sind Gestalter gefragt. Und tatsächlich beteiligen sich mehr und mehr junge Menschen an der Mitgestaltung ihres Lebensumfelds. Offenbar scheint uns Heimat sehnens- und schützenswerter, je mehr wir von ihr aufgeben müssen. Mit Erstaunen beobachtete DER SPIEGEL diesen Trend schon 1979: „Der Begriff Heimat, lange von organisierten Vertriebenen und völkischen Klüngeln vereinnahmt, erlebt eine überraschende Erneuerung – aus oppositionellem Geist“. Die Rede war von der Anti-Atomkraftbewegung, die erstaunlichen Widerstand auf die Straße brachte. Dreißig Jahre später regt sich derselbe Widerstand gegen den zerstörerischen Raubbau an unseren Innenstädten – siehe Stuttgart 21. Bürger, denen Tradition eher unwichtig ist, organisieren sich in Bürgerinitiativen, um eine einhundert Jahre alte Rotbuche vor der Entwurzelung zu bewahren, als ginge es um ihre eigenen Wurzeln. Müssen wir uns überbordenen Fortschritt und seine unkalkulierbaren Risiken unreflektiert gefallen lassen? <br /><br /><b>Für so manche</b> Bürgerinitiative lohnt sich der Blick hinter die besagte Rotbuche: Auf dem Spiel steht nicht der materielle Wert, über den verhandelt wird. Es droht der Verlust von sozialer Geborgenheit und kultureller Vertrautheit. Heimatverlust. Weil der nicht messbar ist, treffen sich Stuttgart-21-Gegner mit Bahnfunktionären vor dem Schiedsgericht, ohne sich verstehen zu wollen. Diese sprechen über den messbaren Mehrwert für die Zukunft, jene vom Herzen ihrer Stadt. Diese über Funktionalität, jene über Identität. <br /><br /><b>Nicht-Orte stiften keine Identität</b> <br /><b>Stuttgart 21</b> ist ein schönes Beispiel dafür, dass Neubauprojekte in unseren Innenstädten meist in einem optischen Fiasko enden. Mit dem funktionalen Einkaufszentrum – neudeutsch „Shopping Center“ oder „Galerie“ – oder einem Parkplatz für Real. Ganz wie Joni Mitchell es prophezeite: „They paved paradise to put up a parking lot.“ („Sie haben das Paradies betoniert, um einen Parkplatz zu errichten.“) Städte verlieren ihre Persönlichkeit. In seiner wissenschaftlichen Schrift „Orte und Nicht- Orte. Vorüberlegungen zu einer Ethnologie der Einsamkeit“ analysiert der Anthropologe Marc Augé die Auswirkungen des urbanen Lebens auf unsere Wahrnehmung von Heimat. Anstelle der traditionellen Begegnungsräume wie Kirchen, Schulen&nbsp;Eckkneipen und Märkte treten anonyme „Nicht-Orte“ – der öffentliche Nahverkehr, Raststätten oder Shopping-Malls. „Enttraditionalisiert, baumarktgestylt und sozial desintegriert“ nennt das Beate Mitzscherlich. Niemanden interessiert, wo sich die gesichtslosen Neubauviertel befinden, aus denen morgens die Mittelklasse-Karossen in Richtung Autobahn abdrehen, um abends wieder vor der Doppelhaushälfte einzuparken. <br /><br /><b>Heimatkult: Sehnsucht als Kommerz</b> <br /><b>In den Fünfzigerjahren</b> war es die Erfahrung des realen Heimatverlusts durch Vertreibung und Gefangenschaft, die Heimatfilme und -romane hervorbrachte. Darin wurde die Heimat als kommerzielles Produkt entdeckt, „als gut verkäufliches Abziehbild, als ‚Heimat von der Stange’“, erklärt Beate Mitzscherlich. Die Verlusterfahrung wurde in Bildern der heilen Heimatwelt „kompensiert“, ausgeglichen, vergesehnsüchtigt. Heute sind Heimatfilme zwar out, dafür lässt sich heute prima mit Hirschgeweihen und „Landlust“ werben – mal mit ironischem Unterton, mal mit bierernsten Mariniertipps für die Grillsaison. Globalisierung sei Dank. Und auch wir haben unsere Heimatfilme. „Die fetten Jahre sind vorbei“ könnte so einer sein, oder „Keinohrhasen“. Filme, die in uns die Sehnsucht nach dem „Leben, wie es sein sollte“ anstoßen. Nach dem Abenteuer der Großstadt, der wahren Liebe, der Ungezwungenheit der Jugend. Das werden wir unseren Kindern später mal erklären müssen, was Nora Tschirner mit Heimat zu tun hat.<br /><br /><i><b>Pascal Görtz</b> glaubt daran: Beheimatung ist möglich.</i></p>]]></content:encoded>
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			<pubDate>Thu, 22 Mar 2012 00:00:00 +0100</pubDate>
			
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