Matt Redman ist von ganzem Herzen Anbetungsleiter. Im Interview erzählt er aus seiner langjährigen Erfahrung und von Liedern, die nach Fußballstadion klingen und anderen, die von großen Schmerzen erzählen.
Matt, du warst gerade erst zwanzig Jahre alt, als du Vollzeit-Lobpreisleiter der St. Andrews Church in England wurdest. War es eine einfache Entscheidung, den Lobpreis zu leiten anstatt zu studieren oder einen Beruf zu erlernen?
Ja, für mich war die Entscheidung einfach. Ich habe es immer geliebt, Lobpreislieder zu komponieren, andere im Lobpreis anzuleiten. Dazu kam, dass viele Menschen in meinem Umfeld und die Gemeindeleiter mich sehr zu diesem Schritt ermutigt haben. Wenn man herausfinden möchte, was Gott mit seinem Leben vorhat, ist das ja ausschlaggebend: Ist mein Umfeld auch der Meinung, dass ich diese Gaben, diese Berufung habe? Ermutigen sie mich, diesen Weg zu gehen? Für mich war es toll, dass ich in einem geistlichen Umfeld aufwachsen konnte, in dem junge Leute aktiv dazu ermutigt wurden, ihre Gaben und ihr Talent zu benutzen und weiterzuentwickeln.
Du hast bereits mit sieben Jahren deinen Vater verloren, die Zeit danach war schwierig für dich. In einem Fernsehinterview hast du erzählt, dass dir die Musik geholfen hat, den Schmerz zu verarbeiten. Hat diese Erfahrung, Gottes Nähe in extrem schmerzvollen Momenten zu suchen, deine Lieder beeinflusst?
Auf jeden Fall. Lieder wie „Blessed be your name“, „You never let go“ oder auch „Never once“, das jetzt auf der neuen Scheibe drauf ist, erzählen davon, wie ich gelernt habe, Gott auch in den Stürmen des Lebens zu vertrauen. In manchen dieser Lieder steckt eine große Portion Verletzlichkeit, ja sogar Schmerz – hoffentlich aber auch Wahrheit. Ich glaube, gerade die Mischung aus Verletzlichkeit und Wahrheit spricht die Menschen an, wenn ihnen selbst die Stürme des Lebens entgegenwehen.
Deine Touren haben dich an viele Orte rund um den Globus gebracht, du hast in Ländern wie Japan, Südafrika, Kroatien und Indien Konzerte gegeben. Wie haben sich die Menschen denn bei den Worship-Konzerten verhalten? Gab es da große Unterschiede?
Oh ja! In Uganda tanzen die Menschen einfach zu allem – sogar zu Liedern, bei denen ich nie im Leben gedacht hätte, dass man zu ihnen tanzen kann! In Südkorea haben wir extrem viel über Gebet und Fürbitte gelernt. In jeder Kultur, an jedem Ort gab es etwas Neues zu lernen. Trotzdem hatten alle eines gemeinsam: Leidenschaft! Wir haben die Erfahrung gemacht: Da ist überall eine neue Generation mit viel Leidenschaft für Anbetung.
Du hast vor vielen Jahren einmal etwas sehr Interessantes gesagt: „Ich würde mich nicht wirklich als Musiker bezeichnen. Ich gebrauche die Musik, um Lobpreis zu machen. An erster Stelle bin ich aber Anbetungsleiter.“ Würdest du das heute, als der erfolgreiche Musiker, der du ja bist, noch genauso sagen?
Ja, ich denke schon. Okay, ich kann ein bisschen Gitarre spielen und auch ganz gut singen. Und natürlich liebe ich Musik. Aber das, was mich wirklich fesselt, ist mit Wörtern zu jonglieren, Melodien zu erschaffen, die dann zu einem Lied werden – und dann mit diesem Lied die Menschen vor den Thron Gottes zu führen. Jesus hat solch eine Kraft, dass vor ihm Musik, Kreativität und das menschliche Tun vollkommen erblassen.
Dein neues Album „10,000 Reasons“ zeigt auf dem Cover ein Feuerwerk an leuchtenden Farben, die explosionsartig in den Himmel steigen. Wofür steht dieses Bild?
Ich hoffe, dass es darstellt, was das Album musikalisch rüberbringen soll – absolut explosiven Worship! Du vergleichst das Album „10,000 Reasons“ oft mit einem Klassenzimmer, das wir betreten können, um von Gott zu lernen. Warum? Ich finde, Anbetungslieder können für uns eine Kirche oder Kathedrale. Sie können uns die Größe Gottes in Erinnerung rufen, uns Dinge lehren und uns informieren. Aber sie können auch einen Raum für uns schaffen, in dem wir ganz vor Gott kommen können, uns ihm hingeben können.
Was ist denn dein Lieblingslied auf dem Album?
Der Titelsong „10,000 Reasons“. Die Aufnahme ist so einfach und akustisch belassen, dass man wirklich hören kann, wie die Gemeinde die Worte aus ganzem Herzen mitsingt.
„We are the free“ klingt dagegen so rockig, roh und explosiv – ist das der perfekte Worshipsong für Männer?
Ja, ich hoffe! Den Song haben wir so richtig auf Stadionatmosphäre getrimmt.
Du hast einmal gesagt, wenn wir morgens aufwachen, und uns nichts einfällt, wofür wir Gott danken können, stimmt etwas nicht in unserer Beziehung zu Gott. Was fällt dir morgens ein, wenn du wach wirst?
Also erst einmal ist da meine Familie – ich habe eine wundervolle Frau und fünf tolle Kinder. Aber ich möchte ein noch dankbareres Herz bekommen. Ich glaube, wir verpassen jeden Tag eine große Portion an Gottes Güte, die er uns eigentlich gerade in unserem Alltag offenbart. Ich möchte jemand sein, der jederzeit ein dankbares, aufrichtiges Lied für Gott im Herzen hat.
Julia Monge (25) arbeitet in einer Anwaltskanzlei in Frankfurt am Main.






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