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Ob wir wirklich verklemmt sind und wie man sich seinen Traumpartner anlacht

Schon mal einen christlichen Anmachspruch gehört? Hier wäre einer: „Jetzt weiß ich, warum Salomo siebenhundert Frauen hatte – er hat dich nie getroffen!“ Und das ist noch einer der besseren, den eine britische Dating-Agentur gesammelt hat. Solche Sprüche könnten zwar jemanden zum Lachen bringen, meint der Engländer Peter Spalton, der als „Dating Doctor“ unter Christen Workshops hält, aber sie könnten auch gründlich daneben gehen. Flirtwillige Briten lernen bei ihm stattdessen, wie man sich begrüßt, Blickkontakt aufbaut und einschätzt, ob der andere am Ende des Abends geküsst werden möchte. „Kirchgänger neigen dazu, reservierter zu sein als andere“, glaubt Spalton. Und tatsächlich, fragt man unter Freunden, wie Christen flirten, erntet man Schulterzucken und höchstens eine Gegenfrage: „Flirten Christen überhaupt?“ In christlichen Kreisen scheint dem eine unmoralische Aura anzuhängen. „Ich möchte dich gerne besser kennenlernen“ – so beginnen bei uns Christen viele Beziehungen. Aber ist das wirklich Flirten?

Flirten wird in manchen Quellen vom altfranzösischen „fleureter“ abgeleitet, was so etwas heißt wie Blumen schenken oder jemandem den Hof machen. Der Duden definiert etwas hölzern: in „harmloser Form ein Liebesverhältnis anzubahnen versuchen“ oder „jemanden durch sein Verhalten, durch Blicke und Worte scherzend und verspielt seine Zuneigung zu erkennen geben“. In anderen Worten: Flirten heißt, Interesse ausdrücken und jemandem Aufmerksamkeit schenken – und zugleich auf sich selbst aufmerksam machen. Ein Flirt ist immer auch ein bisschen wie Werbung: Statt Zahnpasta oder Schokolade rückt man sich selbst ins beste Licht. Wie das geschieht, läuft interessanterweise weltweit nach einem ähnlichen Schema ab, wie der Ethnologe Irenäus Eibl-Eibesfeldt schon in den Sechzigerjahren herausgefunden hat: Blickkontakt herstellen, mit leicht schräg gestelltem Kopf lächeln, Haare schütteln und aus dem Gesicht streichen. Diese nonverbalen Signale sind keine mühsam erlernte sexy Choreographie, sondern in uns angelegt – und sollen erwiesenermaßen glücklich machen: Allein der Blickkontakt mit einem unbekannten, attraktiven Gegenüber erzeugt laut einer Studie britischer Forscher Glücksgefühle.

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