2005 besuchte Jessica Jackley Tansania – und sah das Potenzial von Mikrokrediten. Fünf Jahre später hat die von ihr gegründete Organisation Kiva bereits einen dreistelligen Millionenbetrag an die Ärmsten der Welt verliehen.


Für Yin Leav waren die vergangenen Minuten so etwas wie ein Neuanfang. Vermutlich hätte sie ihn gern vor dem heimischen Computer erlebt, aber bei ihrem Gehalt würde es Jahrzehnte dauern, bis sie sich einen leisten könnte. Yin hat ganz andere Sorgen: Sie arbeitet für weniger als einen Dollar am Tag, um ihren Mann zu unterstützen, der mit seinem Moto-Taxi bis zu fünf Dollar mit nach Hause brachte. Für sich und die drei Kinder reichte das zum Leben. Bis das Motorrad verreckte. In diesen Minuten haben ihr auf der Webseite von Kiva Wildfremde tausend Dollar geliehen. Zinslos, uneigennützig. Yin Leav hat das Glück, einen Mikrokredit bekommen zu haben. Innerhalb der nächsten zwanzig Monate will sie das geliehene Geld in 56-Dollar-Raten zurückzahlen.

Das Prinzip der Mikrokredite ist bekannt, seit Muhammad Yunus 2006 den Friedensnobelpreis für seine Grameen- Bank überreicht bekam. Seit den Neunzigerjahren gestaltet der indische Ökonomieprofessor „Wirtschaftsförderung von unten“. Das Besondere an Kiva: Hilfe geschieht tatsächlich von Mensch zu Mensch und webbasiert. Sie erfolgt direkt über die Computerschnittstelle, schnell und unkompliziert, und nicht über den Umweg der Bankinstitute wie im Fall von staatlicher Hilfe oder üblicher Bankkredite. „P2P“ heißt das Verfahren in der Fachwelt. Jeder kann mitmachen, der über eine Bankverbindung und einen Internetanschluss verfügt.

Die Näherin aus Paraguay, der Rikscha-Fahrer aus Pakistan und der angehende Büroleiter aus dem Gazastreifen: Wer förderungswürdig ist, wird vor Ort entschieden. Ein „Field Partner“, von denen es weltweit über einhundert gibt, übernimmt die Auswahl der „Unternehmer“. Sie tragen die Idee hinter den Mikrokrediten auch in die entlegensten Dörfer, damit gerade die Menschen von ihr profi tieren können, denen es für ihre Geschäfts ideen an Geld mangelt. Jede Geschäftsidee wird anschließend vom „Field Partner“ auf seine Erfolgsaussichten geprüft und schlussendlich auf die Website von Kiva gestellt.

Quelle:dran