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Matthias Clausen heißt der neue Verkündiger für JesusHouse 2011 in Stuttgart. Wir wollten wissen, wie der große Unbekannte drauf ist.

Ein Porträt...

Der Mann am großen Fenster des Cafés blickt etwas ungeduldig auf die Uhr. Der Chai Latte vor ihm ist dreiviertel leer. Matthias Clausen würde vermutlich sagen, ein Viertel voll. Wir sind etwas zu spät – „cum tempore“ quasi. Wir treffen den 37-Jährigen im Rahmen einer Evangeli sationsveranstaltung der Uni Paderborn. Das passt gut zu seiner Biografi e: Von 2000 bis 2004 war Matthias Clausen Reisesekretär der Hochschul-SMD – ein Job, bei dem er so manchen deutschen Uni-Campus als Evangelisationsprediger aufgemischt hat. Das Handwerkszeug dazu lernte Matthias früh. Als letzter von vier Brüdern bewies er schon in jungen Jahren seine Publikumstauglichkeit. „Ich musste lernen, mich verbal durchzusetzen“, sagt er mit einem schelmischen Grinsen. „Sei es durch Geschichtenerzählen oder jeder Menge ‚Spökes‘.“

Mit 16 Jahren
entdeckt Matthias, dass da ein Gott ist, der „etwas unglaublich Sinnvolles“ mit seinem Leben vorhat. Er studiert Theologie, unter an derem in London, absolviert zwei Kirch liche Examen und ein Vikariat. Auf eine „Kirchen- Karriere“ legt er allerdings keinen großen Wert: „In meiner Berufsplanung habe ich mir damals die Frage gestellt, was sinnvoll ist – und nicht wo ich am schnellsten an eine feste Anstellung komme.“ Er zieht als gebürtiger Rheinländer in die mecklenburg-vorpommersche Provinz, heiratet und gründet eine Familie. Seit 2009 arbeitet er zu fünfzig Prozent als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni Greifswald im Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung. Der andere Teil seines Jobs besteht nach wie vor darin, durch ganz Deutschland zu touren und Hochschulevangelisationen zu veranstalten. Der evangelischen Kirche ist er bis heute treu geblieben. „Normal evangelisch“ heißt das in seinem Vokabular – mit konfessioneller Weite, die einem als JesusHouse-Prediger gut zu Gesicht steht. Da seine Frau aus einer Frei kirche kommt, kennt er auch die Vorzüge freikirchlicher Gemeindeformen.

Und er kennt noch Menschen, die mit dem Glauben so gar nichts am Hut haben. In Greifswald zu leben hat daher mehr mit seiner Berufung zu tun als es auf den ersten Blick scheint. Zusammen mit dem Gemeindeprojekt „GreifBar“ bietet Matthias mehrmals im Jahr gut besuchte evangelistische Gottesdienste an. Die große Mehrheit der Gäste ist konfessionslos. „Dass die Welt hier in gewisser Weise eine andere ist“, merkt er, wenn er hört, dass einige seiner Zuhörer die Geschichte des Verlorenen Sohnes bei dieser Gelegenheit das allererste Mal gehört haben – und berührt sind, wie liebevoll dieser unbekannte Gott mit ihnen umgeht. Wenn er hier predigt, dann heißt es, bei Null anzufangen. Mit „frommen Insidern“ wird er in diesem „pioniermissionarischen Gebiet“ nicht weit kommen, sagt Matthias. Für ihn ist das eine große Chance, so predigen zu lernen, dass es auch jeder versteht.

Trotzdem bleibt die
Frage: Was befähigt einen dazu, JesusHouse-Prediger zu werden? Eine gute Frage, die sich Matthias selbst stellt, als eines Tages ProChrist- Redner Ulrich Parzany bei ihm anklopft. Dass man ihn für die Verkündigung bei JesusHouse anfragt, damit hat er erst einmal nicht gerechnet. „Eigentlich ist meine Zielgruppe eher die der Jungen Erwachsenen“, ging es ihm damals durch den Kopf. Und die macht eben nur einen Teil der JesusHouse-Zielgruppe aus. Er habe viel darüber beten müssen. Heute sagt er: „Je mehr ich jetzt da eintauche, desto begeisterter bin ich.“ Begeistert ist er vor allem vom JesusHouse-Team, bei dem er spürt, dass in jedem einzelnen der Wunsch im Herzen brennt, Jugendliche zum Glauben zu bringen. Derselbe Wunsch bewegt auch ihn schon seit Jahren. „Das Allererste, was ich den Leuten vermitteln möchte ist, dass Gott jeden Menschen bedingungslos liebt.“

Matthias mag absurden
Humor. Aber aus der Sicht von Teenies wirkt er wahrscheinlich ziemlich normal: Keine Dread locks, keine hippen Phrasen. Und er weiß das. Anpassung ist keine Option: Bei JesusHouse möchte er sich als der Matthias geben, der er auch wirklich ist. Sein Angebot: ein aufrichtiger, persönlicher Kommunikationsstil. Für JesusHouse hat er sich vorgenommen, durch die Kamera zu kommunizieren, als stünde er unmittelbar vor seinem Zuhörer – mit dem Ziel, den Zuhörer in seine Überlegungen mit hineinzunehmen. „Dialogisch predigen“ nennt er das.

Klingt überzeugend, wir fragen ihn aber, ob das über ein mediales Großereignis wie JesusHouse überhaupt möglich sei, dieses dialogische Predigen. Matthias will daran glauben, doch er weiß, wie sehr sich die Medienwahrnehmung in den letzten Jahren verändert hat. „Vor wenigen Jahren war das etwas total Spannendes, dass JesusHouse in ganz Europa ausgestrahlt wurde. Heute ist diese geografi sche Reichweite nicht mehr sehr ungewöhnlich.“ Weil international vernetzte Medien zur jugendlichen Lebens realität dazugehören, sei das Medium allein keine Message mehr. „Aufmerksamkeit kann man auch durch perfekte Inszenierung nicht mehr erreichen – was greift, ist die Authentizität.“ Praktisch heißt das für ihn auch, mal eigene Schwächen zu zugeben. Dass er zum Beispiel vor der Kamera nervös ist. Dass es eben doch etwas anderes ist, in der Stuttgarter Porsche arena zu Tausenden von Jugendlichen zu sprechen, als vor dreihundert Studenten im Hörsaal. Bei der Preview von JesusHouse am 23. April, bei der lokale Gruppen die Satellitenverbindung testen konnten, hat er schon einmal einen Vorgeschmack darauf bekommen können, wie sich das anfühlt. Das hat gut geklappt und deshalb kann er das Spiel mit der Kamera im nächsten Frühjahr etwas lockerer angehen.

Es dürfte ihm entgegenkommen, dass JesusHouse in Stuttgart auf bewährte Formate setzt. „‚JesusHouse zentral‘ wird von der Form her ähnlich wie in den letzten Jahren aussehen“, erwartet der Verkün diger. Neben Musik und kreativen Programmpunkten soll es an den vier Abenden Predigten zum Thema „Gott? Glaube, Liebe, Hoffnung“ geben. Die einzelnen Predigten werden zurzeit geplant. Mehr will uns Matthias dazu aber noch nicht verraten.

Ein bisschen Zeit
zur Vorbereitung bleibt ihm ja noch. Ernst wird es erst im nächsten Frühjahr. Dann werden wir ihn wiedersehen. Wieder live und in Farbe – nur dieses Mal am anderen Ende der Kamera. Wir sind gespannt

Benjamin Kleine Vennekate absolviert ein Jahrespraktikum in der dran-Redaktion.

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