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Die Musik ist klug, konsumkritisch, selbstreflektiert. Hinter dem Drum&Bass-inspirierten Elektropop von stadtklangfluss verbergen sich die Musiker Mischa Marin, Manu Steinhoff und Joe Falk, allesamt bestens bekannt als feste Größen der christlichen Musikszene. Gemeinsame Sache machen sie, weil „Musik einfach mal anders klingen muss als der Mainstream, als weichgespülter Christenpop“. An der Stelle mussten wir nachhaken.

Ein seltenes Glück, wenn Künstler ihr Ego einem Projekt wie diesem widmen. Ward ihr sofort dabei?

Joe: Als Manu mit dem Projekt und den fertigen Samples ankam und ich wusste, dass Mischa und ich texten, da war das für mich gar keine Frage, weil ich es künstlerisch extrem spannend fand. Bei mir ist das so, dass ich in den letzten Jahren sehr viel „fromme Dienstleistung“ gemacht hab – ich bin auf ’ner Menge Compilations drauf. Irgendwann ist dann die Luft raus, wenn man über Jahre nur Lobpreis, immer wieder Lobpreis macht. Und die eigene künstlerische Kreativität liegt daneben brach. Das war mal wieder ’ne Aktion, wo ich mich um meine eigene künstlerische Identität kümmern konnte und mehr Freiraum im Songwriting hatte.

Mischa: Wir haben versucht, nicht gleich wieder in gewohnte Mechanismen zu verfallen. Du läufst sonst Gefahr, Stereotype zu produzieren. Deswegen haben wir anfangs sehr breit gestreut, haben Brainstormings gemacht, um uns dem Projekt inhaltlich anzunähern.

 

stadtklangfluss tritt mit einem Anspruch auf, den man im besten Sinne gesellschafts- und konsumkritisch nennen kann. Gibt es eine Renaissance der Gesellschaftskritik?

 

Manu: Es entsteht mehr und mehr Bewusstsein für diese Themen – Themen, die früher Sache von Nischengruppen waren, also von den Linken oder den Ökos oder den Evangelikalen, bekommen eine viel größere Breite und gehen über diese Grenzen hinweg. Ein Begriff, der da auch durch mein Vatersein reingekommen ist, ist der Begriff „Verantwortung“. Wenn ich gesellschaftliche Themen ernst nehme, beeinflusst das eben auch meine künstlerische Äußerung in dem Sinne, dass ich mich nicht nur zur eigenen Selbstverwirklichung betätige, sondern etwas bewirken will. Was auch immer das heißt: Es muss ja nicht missionarisch sein oder plakativ Leuten sagen „so und so müsst ihr sein“.