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Supermarkttheke mit Getränken

Zwischen Salzbutter und Selbstzweifeln

Lorna Waldminghaus erzählt
Wann wurden Gespräche über Supermärkte zu Alltagsgesprächen? Bin ich etwa alt? und muss ich wirklich alles unter Kontrolle haben?

„Ey, ich bin richtig happy – bei mir hat vor ein paar Tagen ein neuer Aldi aufgemacht. Direkt um die Ecke!“

„Aldi? Boah nee, kann ich gar nicht ab. Gibt’s bei dir nicht auch ’nen Edeka? Da geh ich am liebsten einkaufen.“

„Viel zu teuer.“

„Dann halt Penny?“

„Netto. Heißt das.“

„Was?“

„Ach, egal.“

So oder so ähnlich lief neulich ein Gespräch mit meinen Freunden im Uni-Café. Wir diskutierten wild über Supermärkte – wo es am günstigsten ist, wo am saubersten, und wo die besten veganen Alternativen im Regal stehen. Ich war voll drin im Thema, bis ich plötzlich innehalten musste: Seit wann habe ich eigentlich einen Lieblingssupermarkt? Und warum habe ich eine Meinung dazu, ob Kærgården oder Kerrygold die bessere Salzbutter ist? Das war für mich bisher die Kategorie „Benzinpreise und Steuererklärung“ – also Dinge, mit denen sich nur Erwachsene beschäftigen. Und jetzt? Bin ich etwa… alt?

Klar, rein faktisch bin ich erwachsen. Ich werde beim Alkohol-Kauf nicht mehr nach meinem Ausweis gefragt und hab neulich sogar eine Waschmaschine installiert. Klingt ziemlich grown-up. Aber ehrlich? Ich fühl mich meistens null erwachsen. Und der Gedanke daran macht mir eher Angst. Denn Erwachsensein heißt doch: Das Leben im Griff haben. Festes Einkommen, eigene Wohnung, stabile Beziehung. Joa… davon habe ich genau gar nichts. Und das Gefühl, immer kompetent, selbstständig und in Kontrolle zu sein? Fehlanzeige. Aber muss man das überhaupt?

Alles unter Kontrolle

Ich dachte an meine Freunde, die mit Anfang 30 immer noch keine eigene Wohnung haben. An meine Eltern, die bei Problemen auch erstmal ihre Eltern anrufen. An meinen Pastor, der offen über Selbstzweifel spricht. Und ich merkte: Die haben alle ähnliche Sorgen wie ich.

Vielleicht kann ich kompetent sein – und trotzdem meinen Papa anrufen, wenn der Wasserhahn leckt. Vielleicht bin ich selbstständig – und frag trotzdem meine Freunde, ob sie mir beim IKEA-Regal helfen. Vielleicht habe ich mein Leben halbwegs im Griff – und heul mich trotzdem mal an der Schulter meiner besten Freundin aus. Vielleicht muss ich gar nicht „fertig“ sein, um erwachsen zu sein.

Die Erkenntnis, dass niemand alles unter Kontrolle hat, war irgendwie befreiend. Zu wissen, dass meine Familie und Freunde da sind, wenn es mal nicht läuft, beruhigt mich. Und die Zusage, dass ich vor Gott nicht perfekt sein muss, um geliebt zu werden, nimmt mir den Druck. Ich war als Teenie nicht perfekt, und werde es als Erwachsene auch nicht sein. Aber mit Gott an meiner Seite muss ich diesen Anspruch gar nicht erfüllen.

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