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„Ich habe gelernt, zu glauben, ohne zu sehen.“

Über Verlust und den Halt im Glauben
Tabea ist 22 Jahre alt, als sie die Diagnose Eierstockkrebs bekommt. Kurz nach der Operation geschieht das Unfassbare: Sie wird schwanger. Doch dann verliert sie ihr Kind. Im Interview erzählt sie, wie sie mit Trauer umgeht, was ihr Hoffnung gibt und warum sie ihren Glauben öffentlich teilt.

Dein Glaube spielt eine große Rolle in deinem Leben. Wie kam es dazu, dass du ihn auf Instagram teilst?

Ich hatte lange Schwierigkeiten, bestimmten Menschen zu vergeben. Dann habe ich mich bewusst dafür entschieden und es einfach ausgesprochen. In diesem Moment kam ein übernatürlicher Friede in mein Herz, wie eine Last, die abfiel. Es war wie ein Neuanfang mit Jesus. Diese Erfahrung der Vergebung wollte ich unbedingt weitergeben.

In einem deiner Videos sagst du: „Im Zerbruch sind wir am formbarsten.“ Wie hast du das erlebt?

Das letzte Jahr war für mich unglaublich schwer. Die Diagnose Eierstockkrebs hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen. Mein linker Eierstock wurde entfernt und ich habe mich völlig zerbrochen gefühlt. Plötzlich hatte ich nichts mehr in der Hand. Wenn wir am Ende unserer eigenen Kraft sind, bleibt uns oft nur noch eines: auf Gott zu warten. In dieser Zeit hat er mir gezeigt, wie stolz mein Herz eigentlich war. Zerbruch kann uns demütiger machen, und ein demütiges Herz gefällt Gott. Gerade in unseren tiefsten Momenten spricht er oft am lautesten.

Warum hast du dich entschieden, öffentlich über deine Fehlgeburt zu reden?

Ich habe mir gesagt: Gott, wenn du dieses Leid in meinem Leben zulässt, dann soll es wenigstens zu deiner Verherrlichung dienen. Und genau das passiert. Ich sehe, dass Frauen ermutigt werden. Das berührt mich. Anfangs dachte ich, meine Geschichte würde ein Zeugnis der Hoffnung sein: Krebs überstanden und dann schwanger. Doch dann die Fehlgeburt. Ich hatte Angst, dass mein Leid zu viel sein könnte. Aber ich habe gemerkt: Auch Schmerz kann andere ermutigen. Meine Offenheit hilft Frauen, sich weniger allein zu fühlen.

Was hilft dir, deine Trauer zu bewältigen?

Zeit mit meinem Mann. Ich liebe ihn so sehr, und seine Nähe tut mir unglaublich gut. Und Reden. Manche Menschen haben großes Verständnis, andere meinen es gut, aber ihre Ratschläge sind einfach unpassend. Mir hilft es, mit Menschen zu sprechen, die zuhören, ohne zu urteilen. Und die mich nicht für meine Gefühle verurteilen. Gedanken wie: „Warum wird jemand anderes schwanger und ich nicht?“ sind menschlich. Der Schmerz muss Raum haben.

Nervt es dich, wenn Leute nachfragen, ob es jetzt mit Kindern klappt oder nicht?

Eigentlich werde ich das nicht oft gefragt. Aber ich glaube, es würde mich verletzen, wenn Menschen mich so behandeln würden, als könnte ich keine Kinder bekommen – nur weil ich einen Tumor und eine Fehlgeburt hatte. Es ist ein sehr sensibles Thema, und es würde mir wehtun, wenn andere einfach davon ausgehen würden, dass es bei uns Schwierigkeiten gibt.

Fehlgeburten sind ein sensibles Thema. Wie kann man Betroffene unterstützen?

Ein einfaches „Ich bete für dich“ oder ein „Wie geht es dir?“ kann Wunder wirken. Und wichtig: Niemanden zum Reden drängen. Manchmal möchte ich darüber sprechen, manchmal brauche ich einfach meine Ruhe. Gerade am Anfang ist Feingefühl wichtig. Kommentare wie „Ach, schau mal, die ist schwanger!“ können sehr wehtun. Man erwartet oft, dass Trauernde schnell wieder funktionieren – aber das geht nicht. Wer das nicht versteht, trampelt unbewusst auf dem Schmerz herum.

Laut Statistik hat jede fünfte oder sechste Frau eine Fehlgeburt. Trotzdem wird darüber wenig geredet. Erlebst du das Thema als Tabuthema?

Auf Instagram rede ich sehr offen darüber, aber ich bekomme immer wieder Rückmeldungen, dass Fehlgeburten ein Tabuthema sind und viele nicht darüber sprechen. Dabei betrifft es so viele Frauen! Vielleicht liegt es auch daran, dass wenige christliche Personen offen darüber reden. Ich würde trotzdem sagen, dass es heute weniger ein Tabuthema ist als früher – zumindest in der Gesellschaft. Für Einzelne ist es aber nach wie vor ein schwieriges Thema. Es ist schön zu sehen, dass Musiker wie Chris und Henni das Thema in ihrem Lied „Du bist hier“ aufgreifen. Das finde ich sehr wertvoll.

Wie gehst du mit Zukunftsängsten um?

Ehrlich? Ich verzweifle oft innerlich. Dann muss ich mir bewusst machen: Gott hat einen guten Plan für mich. Er hat alles unter Kontrolle. Sein Wort bleibt wahr, auch wenn ich es gerade nicht fühle. Daran halte ich fest.

Was gibt dir Hoffnung?

Dass Jesus alles in seiner Hand hält. Ohne ihn wäre ich verloren. Ja, ich bin oft wütend auf Gott. Ich frage ihn: „Warum lässt du so viel Leid in meinem Leben zu? Ich bin doch dein Kind.“ Doch letztlich stehen meine Gefühle unter seiner Wahrheit. Auch wenn sich Gott fern anfühlt, bleibt sein Wort bestehen. Das ist meine Hoffnung.

Auf Instagram teilt Tabea @tabeaawerner ihren Glauben.

Interview: Malin Georg
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