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Auf Teer mit Straßenmalkreide ein blauer Dino mit Weihnchtsmütze

Au-Pair im Luftschloss

Melanie Hoinle erzählt
Erwartungen und Realität sind nicht immer im Einklang. Melanie erkennt: manchmal ist es besser, sich überraschen zu lassen ...

Das Jahr 2018 hat für mich Geschichte geschrieben. Schon Monate vor Anbruch des Jahres war ich fleißig beim Babysitten und Kinderbetreuen, denn ich wollte unbedingt Au-Pair in Neuseeland werden und musste dafür so viel Erfahrung sammeln wie nur möglich. Über das Jahr hinweg wollte ich in eine liebevolle Familie hineinwachsen, die Inseln erkunden, tausend Bilder vor berauschenden Kulissen machen und Freunde fürs Leben finden. Ist ja nicht zu viel verlangt, oder?

Nachdem sich eine Familie meldete, war schon bald alles geregelt und ich reiste ans andere Ende der Welt. Mit Koffer in der Hand und Begeisterung auf meinem Gesicht klingelte ich nach 38 Stunden Reisezeit an der Tür meiner Zukunft – mit grauem, müdem Gesicht öffnete meine Gastmutter die Tür und ließ mich wortkarg herein. Die Kinder sahen mich schüchtern an und gingen bald ins Bett. Die Begrüßungszeremonie lief doch etwas stiller ab, als ich erhofft hatte. Im Laufe der nächsten Wochen erledigte ich zwar meine Arbeit, war aber unzufrieden. Die Mutter war nett, aber schnell gereizt. Fühlte sie sich von mir in ihrer Mutterrolle bedroht? Ich durfte das Auto nicht benutzen und steckte in einem winzigen Ort auf der Südinsel fest. Hm.

Neue Wege

Nach zwei Monaten packte ich meine Siebensachen und zog weiter. Zum ersten Mal wurde mir bewusst: Vorstellung entspricht nicht immer der Wirklichkeit. Man kann sich ein Event noch so wunderbar ausmalen, wenn man es zu doll treibt, zerstört man seinen Blick für die Realität. Und die Möglichkeit, sie trotz Härten zu genießen. Ich wechselte also die Gastfamilie. Zweimal. Letztendlich landete ich auf einer Farm, umgeben von viel Weideland und 400 Kühen. Es war großartig. Ich passte dort auf drei Kids auf. Meistens auf einen goldigen Zweijährigen, der mich munter „Melody“ nannte und oft zum Lachen brachte. Ich hatte viele gute Gespräche mit dem Gastvater und Gastopa und war endlich angekommen. In der Zeit erkundete ich die Nord- und Südinsel Neuseelands: ich sah wunderschöne Strände, das Hobbiton-Filmset in Matamata, Glühwürmchen in der Waitomo-Höhle, bin mit dem Hubschrauber auf den Franz-Josef-Gletscher geflogen und war skydiven neben einer Bergkette mit dem Namen „The Remarkables“.

Eine langwährende Freundschaft habe ich auch gefunden – zu einem Berliner, mit dem ich noch Kontakt habe. Auch mein Glaube wurde in der Zeit revolutioniert und ich fühlte mich Jesus näher als je zuvor. Am Ende wurde also doch noch alles gut. Ich musste nur erwachsener werden und lernen: lieber etwas kleinere Luftschlösser bauen und umso glücklicher sein, wenn es doch richtig gut wird.

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