Wenn ich über Finanzen nachdenke, komme ich immer wieder zu der Frage, ob Reichtum für Gläubige überhaupt okay ist? Sollte ich als Christin nicht bescheiden leben – fromm, großzügig und demütig, um damit der Wesensart Jesu zu entsprechen?
Reich(t's)?
Für die Frage, wie sich Gott unsere Finanzen wünscht, müssen wir erst mal klären, was finanzieller Reichtum bedeutet. Würdest du sagen, dass du reich bist, wenn du jeden Tag genug zu essen hast? Du nicht in einer WG wohnen musst, sondern dir eine eigene Wohnung leisten kannst? Oder dir diese Wohnung sogar gehört? Es kommt auf den Vergleich und die Perspektive an. Ein Bürgergeld-Empfänger hat zwar mehr Geld als ein Bauer in Laos, aber empfindet sich womöglich als stärker von Armut betroffen, weil er im ständigen Vergleich mit dem reichen, westlichen Lebensstandard konfrontiert ist und gesellschaftlich stigmatisiert wird. Jeder von uns definiert „reich sein“ also anders. Aber unabhängig von unserem Kontostand: Was sagt eigentlich die Bibel über Geld?
Finanzen sind Gott wichtig. In der Bibel gibt es 2.350 Stellen zu diesem Thema. Hättest du gedacht, dass über Finanzen mehr zu lesen ist als über Gebet? Wie jedes andere Buch auch, liest jeder von uns die Bibel unterschiedlich. Unsere Biografie und unsere Persönlichkeit lesen nämlich immer mit. Und bei 2.350 Möglichkeiten, die göttliche Perspektive über Geld zu entdecken, können diese Verse sehr unterschiedlich interpretiert werden.
Donald-Duck-Perspektive
Besitzt jemand wenig, liest er vielleicht in bestimmten Stellen „Geld ist böse“. Ein Beispiel für diese Interpretationsmöglichkeit findet sich in Matthäus 19,21-26, dort heißt es: „Jesus sprach zu ihm: Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach! (…) Und weiter sage ich euch: Es ist leichter, dass ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als dass ein Reicher ins Reich Gottes komme.“ Menschen, die weder arm noch reich sind, beziehungsweise sein wollen, fällt möglicherweise eher der Vers 11 in Hiob 36 ins Auge: „Wenn sie dann gehorchen und sich unterwerfen, so werden sie ihre Tage in Glück vollenden und ihre Jahre in Wohlergehen.“
Dagobert-Style
Wohlhabende Menschen konzentrieren sich möglicherweise auf Matthäus 25,14-30. Hier ist die Rede von einem reichen Mann, der seinen drei Knechten Geld gibt, um dieses in seiner Abwesenheit zu verwalten. Der erste Knecht bekommt fünf, der zweite zwei und der dritte nur einen Beutel Münzen. Schließlich kommt der reiche Mann zurück und rechnet ab. Der erste und zweite Knecht konnten ihre Münzen verdoppeln und werden von dem reichen Mann mit noch mehr Geld belohnt. Der dritte Knecht jedoch hat sein Geldstück vergraben und nicht vermehrt: „Sein Herr antwortete und sprach zu ihm: ‚Du böser und fauler Knecht! (…) Du hättest mein Geld zu den Wechslern bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen. Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt ihn dem, der zehn Zentner hat. (…) Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußerste Finsternis.‘“ Krasse Geschichte, oder? Diejenigen, die mit dem Geld wirtschaften, werden belohnt. Und dem Knecht, der das Geld verbuddelt hat, wird es weggenommen und er wird außerdem bestraft! Was glaubst du, was Gott für deine Finanzen will? Dass du ein prunkloses Leben führst und ihm folgst? Oder dass, du vermehrst, was er dir anvertraut hat?
Die Sache mit dem Herzen
Für unsere Beziehung zu Jesus ist es erst mal egal, wie viel Geld wir haben. Ob reich oder arm – das entscheidet nicht darüber, ob wir in den Himmel kommen. Es geht um die Herzenshaltung und nicht um unseren Kontostand. „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.“ Matthäus 6, 33
Mich persönlich inspiriert die Geschichte mit den drei Knechten und den Silbermünzen. Ich glaube, dass sich Gott für seine Kinder ein irdisches Leben wünscht, in dem es keine finanziellen Sorgen gibt. Vielmehr noch: Ich glaube, dass Gott uns einen Verstand gegeben hat, der uns dazu befähigt, Reichtum zu erzeugen und in Fülle zu leben. In der Bibel steht nirgends, dass wir in Armut leben sollen. Ich merke aber, dass ich diesen Gedanken aus einer sehr privilegierten Position äußere. Ob jemand finanziell frei leben kann oder nicht, hängt natürlich auch von den Umständen ab. Dennoch glaube ich, dass es um die Beziehung zu Jesus geht. Geld ist nicht schlecht, aber die Gier danach. Problematisch wird Reichtum dann, wenn das Streben danach wichtiger wird als Gott. Das wird in dieser Bibelstelle deutlich: „Denn Geldgier ist die Wurzel alles Bösen. Manche sind ihr so verfallen, dass sie vom Glauben abgeirrt sind und sich selbst viele Qualen bereiteten.“ (1. Timotheus 6,10)
Schlechter Herrscher, guter Diener
In meinen Augen ist Geld ein Geschenk Gottes an uns, durch das er uns segnen will. Uns wird Geld gegeben, um es zu verwalten und damit großzügig umzugehen. Ich sehe Geld als Möglichmacher, Gottes Reich auf der Welt aufzubauen. Mit Geld können Kirchen oder karitative Organisationen unterstützt werden. Wir können Freunde auf einen Kaffee einladen oder ihnen finanziell aushelfen. Wenn wir Gottes Lehre wirklich verstanden haben, ist es nur logisch, einen Teil unseres Geldes großzügig weiterzugeben. Deswegen sollten wir auch für unsere finanziellen Ressourcen beten. Für Ressourcen, die über unsere eigenen Bedürfnisse hinausgehen, damit wir in der Welt einen Unterschied machen können. Wir landen, wie so oft, wieder hier: Das Herz zählt. Wir sollten immer kritisch überprüfen, woher unser Wunsch nach Geld kommt. Sobald wir gierig werden, müssen wir unsere innere Haltung checken und uns fragen, warum uns Geld so wichtig ist. Finanzen sollten nicht unser Leben bestimmen. Genauso wenig möchte Gott, dass wir mit unserem Geld prahlen und mit unseren Spenden als „christliche Gönner“ angeben. Auch hier wieder die Frage: Ist es uns wichtig, dass wir über unsere Spenden sprechen, damit wir Anerkennung bekommen oder, dass unser Geld wohltätige Resultate erzielt?
Was kostet Evangelisation?
Grundsätzlich bin ich also der Meinung, dass finanzieller Reichtum – wie auch immer definiert – für Christinnen und Christen okay ist. Wie bei so vielen Dingen ist ein „es kommt darauf an“ zu ergänzen. Auch bei Geldangelegenheiten soll Jesus an erster Stelle stehen. Geldgier ist die Ursache sehr vieler Konflikte, weshalb wir auf unser Herz aufpassen müssen. Der Gamechanger ist die Frage, für welche Zwecke wir unseren Reichtum einsetzen.