Bei Herr der Ringe bin ich eingeschlafen. Ich könnte mir nichts Langweiligeres vorstellen als einen Star Wars-Marathon. Ich hasse Science- Fiction und Fantasy. Vielleicht auch deshalb: Als Christ und obendrauf auch noch Pastor habe ich genug Science-Fiction in meinem Leben. Ich habe genug von dem, was andere für Fantasy halten, was aber für mich real ist. Das drückt sich zum Beispiel in folgendem Satz aus: „Der Herr hat zu mir gesprochen.“ Problem: Dieser Satz klingt ungefähr so einladend und verständlich wie: Ich gehe nächste Woche zum Mittelerde-Meeting. Das gibt’s wirklich und das ist etwas ganz anderes als der Name vermuten lässt. Wenn ich es richtig verstehe, geht es um ein Treffen von Wissenschaftlern, die sich über Bioinformatik austauschen. Und ich bin mir wirklich unsicher, ob ich es richtig verstanden habe! Warum ich davon erzähle? Ich will Verwirrung stiften. Ich will dir zeigen wie verwirrend für Außenstehende der Satz „Der Herr hat zu mir gesprochen“ sein kann. Das klingt einfach nach Fantasy. Wie können wir also davon so reden, dass andere verstehen, was wir meinen?
Sorry, ich bin lost!
Ich würde mal folgende Faustregel festlegen wollen: Umso klarer christliche Floskeln für dich in deiner christlichen Bubble sind, umso unklarer sind sie es für Menschen, die nicht glauben. An Jesus glauben, bedeutet meiner Meinung nach, ganz selbstverständlich immer: So davon reden, dass die, die nicht glauben, nicht komplett lost sind, wenn du von deinem ERLÖSER?! schwärmst, der dir deine SÜNDEN?! vergeben hat, den du gleichzeitig HERR nennst und der zu DIR SPRICHT?!? Wer soll das bitte verstehen? Aber immer mit der Ruhe, sage ich in diesem Moment zu mir selbst. Zurück zur aktuellen Hülse. Ich identifiziere drei, potenziell missverständliche Parts. 1. Wer ist der Herr? 2. Wieso spricht der und wie? 3. Warum zu mir? Wenn diese drei Fragen beantwortet werden, bist du auf der sicheren Seite. Ich habe zwei Varianten im Angebot. Die erste Variante nenne ich den Erklärbär. Die eignet sich vor allem, wenn man nach dem eigenen Glauben gefragt wird: „Ja. Ich glaube an Jesus. Ich führe mit ihm eine Beziehung, so eine Art Freundschaft. Ich bete und dabei spüre ich wie der Glaube an Jesus für mich real ist. Ich habe Lebensfragen, die ich an Jesus stelle, und kriege Antworten darauf. Ich weiß, das klingt verrückt, aber ich spüre, dass er da ist. In solchen Momenten fühle ich mich gesehen und geliebt. Das ist schön.“
Einfach mal die Klappe halten
Oder Variante zwei – meine Lieblingsvariante. Ich nenne sie „Einfach mal die Klappe halten wie Jesus“ und die geht so: Jesus hat, das lesen wir im Neuen Testament, viel mehr Fragen gestellt als Antworten gegeben. Wir könnten es genauso machen und zur Abwechslung mal unser Gegenüber fragen: „Wen fragst du, wenn du eine wichtige Entscheidung im Leben zu treffen hast?“ Jetzt kommt der Part mit dem Klappe halten und vielleicht hast du später im Gespräch nochmal die Möglichkeit aufgrund einer Nachfrage loszuwerden: „Verstehe ich total, wie du das machst. Für mich ist es Jesus, den ich frage. Klingt komisch, ist aber so.“ Und schon bist du in einem ehrlichen, nicht hülsenhaften Gespräch und hast das Interesse deines Gegenübers geweckt, bevor du ihn durch eine fromme Worthülse verschreckt hast. Das wichtigste Werkzeug für ein Gespräch mit Menschen, die nicht glauben, ist immer die Fragen erstmal an sich selbst zu richten: Verstehe ich überhaupt, was ich da rede? Probier’s doch mal aus.