DRAN: Deine Karriere als Musikerin ist schon mit 12 Jahren gestartet, als du deinen Vater, Peder Eide, der auch Worship- Künstler war, auf seiner Tour begleitet hast. Wie hat die Erfahrung dich geprägt?
Allison: Mein Dad hat schon früh gesehen, wie sehr ich es liebe, Songs zu schreiben. Deswegen hat er mich mit auf die Bühne genommen. Wir haben gemeinsam Songs geschrieben und gesungen, ich durfte aber auch meine eigenen singen. Er hat mir so viel im Musik-Business beigebracht, ich durfte bei ihm Erfahrungen sammeln und von ihm lernen. Ohne ihn wäre ich heute nicht hier.
Wie schwierig war es für dich, deinen eigenen Weg zu finden?
Es war nicht immer leicht. Ich war immer nur »die Tochter von Peder Eide«. Als ich aufs College gekommen bin, war ich ready, meine eigene Karriere zu starten, aber ich habe ein bisschen gebraucht, bis ich wusste, was ich will. Als ich dann meinen ersten Song »Love Who I Am« veröffentlicht habe, ist er direkt auf Instagram und TikTok viral gegangen. In der gleichen Woche hat mein Vater eine Krebs-Diagnose bekommen und ist nach neun Monaten im April 2024 verstorben. Es war seltsam, ich hatte gerade meine eigene Stimme gefunden und gleichzeitig die Person verloren, die mir das überhaupt ermöglicht hat. Es war eine widersprüchliche, aber auch sehr schöne Reise.
In diesem ersten Song von dir singst du, dass du damit struggelst, dich selbst mit Gottes Augen zu sehen. Warum machst du dich so verletzlich?
Als ich den Text geschrieben hab, kam ich gerade aus einer Zeit mit Depressionen und Suizidgedanken. Es hat sich angefühlt, als würde ich endlich Worte dafür finden. Ich habe geweint und mich so gesehen und geliebt gefühlt. Und ich dachte, wenn irgendjemand da draußen ist, dem es ähnlich geht, dann hat auch die Person es verdient, gesehen zu werden. Ich hab schnell das Feeback bekommen, dass Leute überall auf der Welt mit dem Text relaten können. Es ist wichtig, sich verletzlich zu machen, vor allem vor Gott. Er stößt unser Chaos nicht ab. Wir sind ihm am nächsten, wenn wir ehrlich sind.
Warum sind Depressionen, Schwächen und Ängste immer noch so ein Tabu-Thema unter Christinnen und Christen?
Schon als Adam und Eva gesündigt haben und Gott in den Garten kam, war ihr erster Gedanke, sich zu verstecken. Ich glaube, Verletzlichkeit wurde von Anfang an von Scham vereinnahmt. Unsere erste Reaktion auf alles, was sich entblößend oder verletzlich anfühlt, ist, es aus Scham zu verbergen.
Ein aktueller Song von dir ist »idk«. Du singst von ganz vielen offenen Fragen, aber auch davon, dass du weißt, dass Gott alles im Griff hat. Wie schaffst du es, dich an einem stressigen Tag daran zu erinnern?
Ehrlich gesagt: nicht gut. Wenn alles zu viel wird oder ich ängstlich bin, dann bekomme ich Panik. Ich weine und gerate in irgendeine Gedankenspirale. Aber dieses Chaos gehört zum Menschsein. Wenn das vorbei ist, probiere ich sehr präsent im Moment zu sein. Das hilft mir, mich daran zu erinnern, dass Gott mich auch jetzt gerade in seiner Hand hält. Meine Aufgabe ist es, einfach da zu sein. Das heißt nicht, dass dann alles gut ist, aber es hilft mir. Und mir tut es gut, mich dann zu bewegen, spazieren oder ins Gym zu gehen.
Welche Rolle spielt Sport sonst in deinem Leben?
Ich habe Sport immer schon geliebt. In meiner Uni-Zeit hab ich vier Jahre Basketball gespielt. Das war eine richtig coole Zeit. Gleichzeitig aber auch herausfordernd, weil es auch die Zeit war, in der es mir mental am schlechtesten ging. Ich habe viel mit meiner Identität und meinem Köperbild gehadert. So habe ich aber auch gelernt, wie ich gerade in meinem Chaos Gott nah sein kann. Die Zeit dort hat mich sehr verändert und geprägt.
Was hilft dir denn dabei, Gott nah zu sein?
Das ist immer unterschiedlich. In manchen Phasen meines Lebens habe ich gefühlt 24/7 in der Bibel gelesen. In einer anderen Phase habe ich viel Worship gehört und gebetet. Im Moment lerne ich, einfach still zu sein. Da fühle ich mich Jesus sehr nah.
In »chemically messed up« singst du, dass dir Jugendliche, die im 21. Jahrhundert leben und Gott lieben, leidtun. Warum?
Ich wollte mit dem Text zeigen, wie hart es ist, in der digitalen Zeit aufzuwachsen, und der Generation zeigen, dass ich sie verstehe. Unsere geringe Aufmerksamkeitsspanne und auch die fehlende Verbindung zu anderen und uns selbst sind echte Herausforderungen, wenn es darum geht, Freude und Vertrauen im Glauben und in Gott zu finden. Aber es ist möglich. Von unserer ganzen Umwelt sind wir »chemically messed up«, sie macht uns innerlich fertig, aber wir lieben Gott so sehr, wie ich auch im Lied singe. Und das ist es, was zählt. Gott ist nicht sauer, im Gegenteil: Er sagt, komm zu mir, so wie du bist.
In »idk« bekommst du die Frage, was dein 5-Jahres-Plan ist und antwortest – typisch für den Song – mit »keine Ahnung«.
Ich habe wirklich keine Ahnung. Ich weiß ungefähr, was mein Plan für das nächste Jahr ist: Ich werde heiraten, wieder auf Tour gehen und neue Songs veröffentlichen. Da freue ich mich drauf. Alles andere: keine Ahnung!
Worum werden die neuen Songs gehen?
Alle meine Songs drehen sich um mentale Gesundheit und Struggles. Die neuen Songs werden aber noch ein anderes Thema haben, nämlich, was es für mich bedeutet, Tochter Gottes zu sein. Ich lerne das gerade und die Songs begleiten mich in dem Prozess. Sie werden ein bisschen weniger rockig sein und ein bisschen mehr »Dark Pop«. Ich bin sehr gespannt und freue mich schon, sie zu veröffentlichen.
Kommst du auch mal auf Tour nach Europa?
Ich hoffe sehr, dass das irgendwann klappt. Ich habe viele Fans aus Europa, die mir DMs schicken und nachfragen. Ende August spiele ich auf dem Big Church Festival in England. Das ist ja schon mal ein Anfang.