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Voller Kopf, weites Herz

Sängerin Elli im Porträt
Ursprünglich war die Musikerin Elli mal Sozialarbeiterin. Aber weil ihr Kopf voller kreativer Ideen steckt, schuf sie Raum in ihrem Leben für die Musik – und für viele weitere kreative Projekte. Ein kleiner Einblick in Ellis ländliche Idylle.

Latzhosenliebhaberin. Pferdemädchen. Gartenmensch. Brotbacklady. Teeschlürferin. Mystikerin. Pottkind.“ So beschreibt sich Elli selbst auf ihrer Website. Und auch heute kommt die Musikerin direkt aus dem Stall. Mit Leggins, Pulli und Cap nimmt sie mich in ihrem Bauernhaus in Ennepetal im Ruhrgebiet in Empfang. Hier wohnt sie gemeinsam mit ihrem Mann mitten in der Natur. Nur ein kleiner Feldweg führt zwischen den Wiesen zu ihnen. In der Küche riecht es bereits nach selbstgebackenen Brötchen und Elli bietet mir – na klar – einen Tee an. Einen Lillifee-Tee, um genau zu sein. Eine Freundin von ihr musste bei dieser Sorte an sie denken. Warum? Das finde ich noch heraus.

Die Anfänge und ein voller Kopf

Elena „Elli“ Becker ist 34 Jahre alt und gelernte Sozialarbeiterin. Nachdem sie einige Jahre an Grundschulen und in Kitas gearbeitet hat, merkt sie, wie ihre Leidenschaft, die Musik, immer mehr Platz in ihrem Leben und in ihrem Herzen einnimmt. Sie macht sich selbstständig und hat seitdem nicht nur mehr Zeit für die Musik, sondern auch für viele andere Projekte: ein Kinderbuch, einen Podcast, Gesangsunterricht, pferdegestützes Coaching. „Manche Leute würden sagen: konzentriere dich auf eine Sache. Aber das kann ich überhaupt nicht. Weder mich konzentrieren noch auf eine Sache.“ Das merkt man. Wenn Elli von den Ideen spricht, die sie hat oder hatte, dann strahlt sie. Die Begeisterung darüber lässt sie einfach loslegen. „Ich denke nicht an die Konsequenzen und das ist auch gut so. Sonst würde ich viel weniger machen.“ So war es auch bei ihrem Kinderbuch. Gemeinsam mit ihrer Freundin und Illustratorin Inga Kramer veröffentlichte sie in diesem Jahr das Buch „Voller Kopf, weites Herz“ über Neurosensitivität. „Hätte mir vorher jemand gesagt, dass es so intensiv ist, ein Kinderbuch zu schreiben, hätte ich es vielleicht nicht gemacht.“ Elli ist selbst hochsensibel. Das heißt, sie nimmt Situationen viel intensiver wahr. „Ich habe ein Konzert und brauche danach erst mal einen Tag Pause und Regeneration, weil es so krass intensiv für mich ist.“ Aber sie wertschätzt auch die andere Seite: „So wie ich liebe, wie ich Freude spüre und auf der Tanzfläche tanze – das geht nicht allen so. Sondern das bin ich, weil ich eben so viel fühle.“

Im Pferdestall

Ein Ausgleich für Elli ist die Zeit in der Natur und vor allem im Pferdestall. Hier kommen ihr oft Ideen für Texte und Lieder. „Ich bin im Stall und am Tun und auf einmal kommt eine Melodie oder ein Song.“ Die Lieder, die sie schreibt, sind Teil eines Prozesses, der ihr gut tut, etwas in ihr bewegt oder heilt. Elli hat keine eigenen Pferde, aber die Pferde ihrer Nachbarn stehen direkt nebenan. Wenn sie morgens aus dem Stall kommen, kann Elli sie aus ihrem Schlafzimmerfenster sehen. Außerdem kümmert sie sich auf einem anderen Hof mit um alles, was ansteht – Heu schubsen, Boxen sauber machen, Pferde striegeln. Heute hat sie frisch geborenen Lämmchen dabei geholfen, die Zitzen von ihrer Mama zu finden. Beim Erzählen holt sie ihr Handy raus und zeigt sichtlich berührt Videos. „Wenn du hier wohnst, dann kannst du dich nicht distanzieren. In der Stadt kannst du sagen, ‚Mein Schnitzel kommt aus dem Kühlschrank und wir gehören alle nicht zusammen.‘ Wenn ich hier bin, einem Lämmchen helfe, bei den Pferden oder in der Natur bin, dann bekomme ich so richtig die Verbindung aller Dinge mit.“

Gottes Weite

In der Natur hat Elli auch viel über ihren Glauben gelernt. Als sie vor fünf Jahren in das Haus gezogen ist, erlebte sie gerade in der Natur oder bei den Tieren, dass Gott noch viel größer ist, als sie bisher dachte. Er wirkt nicht nur in klassischen Gottesdiensten in der Gemeinde, sondern auch im Pferdestall, beim Musizieren, in der Begegnung mit anderen. Eine dieser Begegnungen ist die mit ihren buddhistischen Nachbarn, denen Elli Gesangsunterricht gibt. Sie realisiert, dass Gott sie dazu ermutigt, ihn auch dort wahrzunehmen, wo sie ihn nicht erwartet. „Gott lädt mich ein, immer mehr in die Weite zu gehen. Das macht mir übel viel Angst. Und gleichzeitig merke ich: Das entspricht Gott mehr.“ Unter anderem deshalb bezeichnet sie sich selbst gerne als Mystikerin, denn auch das lässt diese Weite zu und lädt zu Gesprächen ein.

Zwischen Narnia und Pinzessin Lillifee

Aber Mystikerin passt auch zu ihrem mystischen Sehnsuchtsort Schottland und ihrem Faible für Fantasy-Romane. Und auch hier begegnet Elli Gott. Wenn sie Narnia guckt, diskutiert sie danach mit Gott, sagt ihm: „Gott, wir wissen beide, dass ich nicht hier hingehöre, kannst du mich jetzt bitte nach Narnia bringen?“ An einem Winterabend mit diesen Diskussionen realisiert sie, dass sie in ihrem Haus auch eine Art „geheime Tür“ hat, die in einen nicht benutzten Kartoffelkeller führt. Dort findet sie einen Lichtschalter, der eine bisher nicht aufgefallene Outdoor-Lampe anmacht. Als Elli rausgeht und das bemerkt, sieht sie Schafspuren im Schnee. Alles erinnert sie an eine Szene aus Narnia. Und auch wenn sie sich alles erklären kann, merkt sie doch: Gott ist da. Sie ist heute noch berührt und erzählt: „So will ich durchs Leben gehen. Dass ich Gottes Magie und seine Handschrift spüre, denn ich glaube, sie ist da. Und ich lebe einfach gerne so und deshalb passt vielleicht auch Prinzessin Lillifee zu mir.“ Deswegen also auch der Lillifee-Tee vom Anfang? Ja, aber es gibt noch einen anderen Grund, warum die kleine Fee aus der Buchreihe von Monika Finsterbusch zu der selbstständigen Tausendsasserin passt. Auf die Frage, ob sie einen Tagesablauf hat, antwortet sie: „Es würde mir wahrscheinlich helfen, ich wäre vermutlich effektiver. Aber ich liebe auch mein Lillifee-Leben: ein bisschen fliegen und zaubern. Ich bin sehr dankbar, dass ich so ein Leben führen darf.“ Die Freiheit der Selbstständigkeit – mit all ihren Herausforderungen – ist für Elli ein Privileg.

Frauen, die Frauen feiern

Stärkung findet sie immer wieder bei anderen Frauen, unter anderem im WIR-Netzwerk, in dem sich christliche Autorinnen, Creatorinnen, Künstlerinnen und Co. zusammengeschlossen haben. Dort hat Elli gemerkt: „Andere Frauen haben schon den Weg geebnet“. Das hilft ihr „Outside The Box“ zu denken, Träume zu verfolgen und sich gegenseitig zu unterstützen. „Ich liebe Frauen und ich liebe es, eine Frau zu sein“, meint Elli und erzählt von ihrem neusten Song „Future is Female“. Eigentlich hatte sie schon einen fertigen Text, ein Liebeslied an ihren Mann, doch dann fiel der Termin für die Aufnahme auf einen Tag, an dem sie sich mit ihren Mädels zum Singen verabredet hat. Also schreibt sie ihn kurzerhand um, nimmt ihre Freundinnen mit ins Studio von Manuel Steinhoff und gemeinsam entsteht der Song, der nun auf Steinhoffs EP „von ganz allein kollabiert“ zu finden ist. Elli hat einen vollen Kopf, gefüllt mit Kreativität, Gefühlen und Leidenschaft. Und ein weites Herz. Mit Platz für Frauen, Freundschaften, Kinder, Pferde, Musik und viele andere Projekte. Und in alledem hat sie einen Gott, der ihr immer wieder die Magie des Lebens zeigt.

Text: Nele Holtz

Anfang des Jahres ist Ellis Kinderbuch "Voller Kopf, weites Herz" erschienen. Mehr Infos dazu findest du auf Ellis Website.

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