Ich sitze im Kreis mit meinen fünf Mädels. Eine von uns hat vor drei Wochen ihr erstes Baby bekommen, eine andere hat schon zwei Kinder, die nächste ist schwanger. Vier von sechs sind mittlerweile verheiratet – ich bin keine davon. Ich höre zu, wie sie über Schwangerschaftssymptome und das beste Krankenhaus für die Geburt reden. Später unterhalten wir uns über unsere ersten Jobs nach dem Studium, über finanzielle Sorgen und ob man es sich leisten kann, ein Haus zu kaufen.
Wir sechs haben uns in unserem internationalen Jugendfreiwilligendienst (IJFD) bei der Organisation OM kennengelernt, damals waren wir 18 oder 19 Jahre alt. Wir hatten alle gerade unser Abitur in der Tasche und kamen aus unterschiedlichen Gegenden und Gemeinden zusammen – aus der katholischen Kirche, einer FeG, einer Baptistenkirche, einer Brüdergemeinde und der Landeskirche. Trotz oder gerade wegen unserer Vielfalt haben wir uns auf dem Schiff von OM früh als Hauskreis zusammengeschlossen – unsere so genannte Schwesternschaft – und trafen uns einmal in der Woche, um gemeinsam die Bibel zu lesen und miteinander darüber ins Gespräch zu kommen.
Ich erinnere mich gut an das Gefühl, als ich mich am Flughafen für ein Jahr von meiner Familie verabschiedete – das erste Mal für längere Zeit von zuhause weg zu sein, nur noch Englisch zu sprechen. Mein erstes Mal im Flugzeug war direkt ein 13-Stunden-Flug mit Turbulenzen. Die Ankunft war an meinem Geburtstag, ich war vollkommen erschöpft und ausgerechnet an diesem Tag nur von Fremden umgeben. Und genau an diesem Tag haben sich diese Mädels zu mir gestellt, obwohl sie mich noch gar nicht kannten. Sie wussten nur, dass ich Geburtstag hatte, haben mir eine Karte geschrieben, mir „Happy Birthday“ gesungen und mich zum Essen in die Stadt eingeladen. Waren mit mir unterwegs und haben mich gefragt, wie ich denn zuhause meinen Geburtstag verbracht hätte. Diese Freundschaft hat mich durchgetragen und der Austausch mit ihnen hat meinen Horizont in mehr als nur einem Thema erweitert. Wir durften einander zusehen, wie wir erwachsener wurden, wie die Erfahrungen, die wir einzeln und gemeinsam machten, uns geprägt und verändert haben. Wie wir uns oft auch charakterlich aneinander gerieben haben und gemeinsam lernten, damit umzugehen. Diese Freundschaften halten bis heute. Denn auch jetzt, sieben Jahre nach unserem Einsatz bei OM, treffen wir uns jedes Jahr zum Schwesternschafts-Wochenende. Was ein Segen!
Das alles schießt mir bei unserem Gespräch durch den Kopf. Irgendwann haben wir eine Gesprächspause und wir gucken uns alle fasziniert an: Was für ein Unterschied ein paar Jahre machen können. Wir sprechen aus, wie dankbar wir füreinander sind, dass wir uns bis hierher begleitet haben und auch weiter den Weg des Erwachsen-Werdens zusammen navigieren dürfen. Jetzt mit Kindern, eigenen Wohnungen und der Steuererklärung, die wir alle selbst machen müssen.