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Eine nie dagewesene Verwirrung

Nele Holtz erzählt
Sind Unsicherheiten in den Zwanzigern wirklich eine Besonderheit unserer Generation? Nele macht sich auf die Suche.

Ich bin 24 und frage mich, wann es angefangen hat, dass ich verwirrt von meinem Alter bin. Irgendwie Erwachsen, irgendwie aber auch wirklich gar nicht. Und ich frage mich, wann das wieder aufhört. Ich suche Antworten auf Fragen, die ich nicht mal formulieren kann. Wo fang ich an?

Mama fragen
Mir fällt eine ziemlich erwachsene Lösung ein: Mama fragen. Sie war Ende der 70er in meinem Alter und hat Medizin studiert. Ihre Eltern waren keine Akademiker. Als sie einen Studienplatz bekam, hat sie sich gefühlt, wie im falschen Film, erzählt sie mir. „Ich war doch nur die kleine Bärbel aus einem kleinen Ort in Schleswig-Holstein. Plötzlich lebte ich in Hamburg, studierte, alles war neu – und ich war allein. Ich habe mich gefragt, ob ich da überhaupt hingehöre. Ob ich nicht einfach Arzthelferin sein sollte. Ich dachte, ich bin doch gar nicht gemacht für dieses Leben. Auch nach dem Studium blieben die Gedanken. Ich habe mich überall beworben – nur nicht am Altonaer Kinderkrankenhaus, weil ich dachte, dass andere dort viel besser hinpassen.“ Andere passen besser, leben das spannendere Leben. Haben die cooleren Erfahrungen. Ich denke nach. Vielleicht gehört es zum Erwachsenwerden dazu, sich manchmal fehl am Platz zu fühlen – gerade dann, wenn man eigentlich genau da ist, wo man immer hinwollte.

Noch weiter in die Vergangenheit
Ich suche weiter. Diesmal frage ich Google. Ich stoße auf ein Zitat des Malers Wassily Kandinsky. Er sagt, das „[…] Umwerfen des Gewohnten und Versuche, das Umgeworfene sofort wieder aufzurichten, das Zusammenprallen der verschiedensten Ziele bilden eine Atmosphäre, die den heutigen Menschen zum Verzweifeln und zu einer scheinbar noch nie dagewesenen Verwirrung führt.“ Wie oft habe ich schon gedacht, ich ändere jetzt mein ganzes Leben, um kurz danach alles wieder umzuwerfen. „Eine nie dagewesen Verwirrung?“ Fühl ich. Kandinsky hat von 1866 bis 1944 gelebt.

Vielleicht ist es okay?
Wenn selbst ein Typ aus dem 19. Jahrhundert diese Verwirrung kannte, dann ist sie wohl gar nicht so neu. Und wenn meine Mama damals unsicher war, ob sie am richtigen Ort ist – dann ist es möglicherweise okay, dass ich noch nicht weiß, wohin es mich im nächsten Jahr zieht. Vielleicht ist es einfach menschlich.

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