Was findest du an deinem Beziehungsstatus so richtig cool?
Lorna: Ich muss bei meinen Plänen und Wünschen keine zweite Person im Hinterkopf haben, sondern kann mich ganz danach richten, was mir guttut oder was mir gefällt. Natürlich verbringe ich viel Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie, aber am Ende muss ich keine Kompromisse eingehen.
Julia: Ich find’s richtig schön „jetzt schon“ verheiratet zu sein und gemeinsam große Schritte gehen zu dürfen.
Was fällt dir bei deinem Beziehungsstatus schwer?
Lorna: Eigentlich dasselbe, was ich auch so daran mag. Es kann schwer sein, alle Entscheidungen allein treffen zu müssen. Ich genieße meine Unabhängigkeit sehr, aber manchmal bin ich da auch ein bisschen überfordert. Vor ein paar Monaten bin ich umgezogen, und da mussten so viele kleine und große Dinge erledigt werden, das war ganz schön anstrengend. Zum Glück habe ich gute Freunde und eine super Familie, die mir sehr geholfen haben, entweder ganz praktisch beim Kistenschleppen oder durch mentale Unterstützung aus der Ferne.
Julia: Ich bin eine Person, die nicht gerne Klischees bedient. Und als ich mich Anfang meiner Ausbildung in der Berufsschule als gläubige Person aus christlichem Verlag vorstellte, die auch bereits verheiratet ist, hatte das schon ein „Gschmäckle“.
Fühlst du dich in deinem Beziehungsstatus manchmal unsicher?
Lorna: Auf jeden Fall, ich glaube, da kommt man nicht drumherum. Ich sehe überall um mich herum, wie Leute Beziehungen eingehen und fragt mich schon manchmal, warum es bei allen anderen klappt, aber bei mir nicht. Besonders in Filmen und Büchern wird immer wieder die Geschichte von der einsamen Person erzählt, die am Ende dann glücklich sein kann, weil sie sich endlich verliebt hat. Das übt schon einen gewissen Druck aus und macht mich oft unsicher, aber letztendlich will ich ja nicht eine Beziehung eingehen, nur weil man es halt so macht.
Mit wem redest du über diese Unsicherheiten?
Lorna: Ich diskutiere in den letzten Jahren schon viel mit Gott darüber. Bis jetzt ist er wohl der Meinung, dass ich als Single besser aufgehoben bin, und wenn ich so zurückschaue, dann muss ich ihm da auch zustimmen. Ob sich das jemals ändert, kann ich natürlich noch nicht wissen, aber ich glaube, dass Gott einen guten Plan hat, ob mit oder ohne Beziehung.
Wie gehst du mit Unsicherheiten in deinen 20ern um? Was sind große Themen für dich?
Lorna: Große Themen sind für mich momentan vor allem die Politik, sowohl national als auch international, mein Glaube und mein Verhältnis zur Kirche und meine mentale Gesundheit. Ich glaube, man muss diesen Unsicherheiten vor allem mit Geduld, Akzeptanz und Gnade begegnen. Wenn Gott geduldig und gnädig mit mir sein kann, dann kann ich das auch. Und für größere und schwere Themen empfehle ich eine Psychotherapie, das hat mir persönlich sehr geholfen.
Julia: Für mich fühlen sich die 20er bisher sehr „lebensentscheidend“ an. Ich entscheide jetzt beispielsweise in welche berufliche Richtung es für mich gehen soll und das fühlt sich gerade wie ein sehr großer Schritt an.
Wo findest du Sicherheit?
Lorna: Am Telefon mit meinen Eltern oder auf der Couch von meiner Freundin.
Julia: Bei meinem Partner, Familie und auch engen Freundinnen fühle ich mich sicher und weiß, dass sie jederzeit ein offenes Ohr für mich haben.
Wie beeinflusst dein Beziehungsstatus deinen Glauben?
Lorna: Das klingt jetzt ein wenig brutal, aber dadurch, dass ich nicht die Kontrolle an jemand anderen abgeben kann, muss ich sie sozusagen an Gott abgeben. Dadurch kann er mir immer wieder zeigen, dass ich mich auf ihn allein verlassen kann. Idealerweise vertraue ich Gott natürlich unabhängig von meinen äußeren Umständen, aber das fällt mir nicht immer leicht.
Julia: Wir beten viel gemeinsam und haben auch immer wieder Phasen, in denen wir gemeinsam die Bibel lesen. Ich versuch aber trotzdem mein Glaubensleben auch genau das sein zu lassen, nämlich meins. Ich brauche, genauso wie mein Partner, exklusive Zeit mit Gott, in der ich auftanken kann.
Stößt du bei deinen Mitmenschen manchmal auf Unverständnis?
Julia: Es gab und gibt immer wieder Leute, die eine andere Meinung haben und ihr Leben anders gestalten wollen. Da ist okay. Ich für meinen Teil bin absolut zufrieden mit meiner Entscheidung und würde es genauso wieder tun. Wenn mir Unverständnis oder Vorurteile begegnen, dann versuche ich sie als andere Sichtweise zu akzeptieren und mir bewusst zu machen, dass ich mit meiner Meinung und nicht der der anderen leben muss.
Was möchtest du Menschen mitgeben, die sich in ihrem Beziehungsstatus unsicher fühlen?
Julia: Jeden Menschen hat Gott ganz bewusst einzigartig erschaffen mit einem ganz individuellen Lebensentwurf. Die Unsicherheiten ergeben sich oft aus unterbewusstem oder manchmal leider auch bewusstem gesellschaftlichem Druck. Es ist absolut nicht easy diesen Druck loszuwerden, weil wir alle mit Idealvorstellungen großwerden, aber fang an Gott zu fragen, was sein Plan für dein Leben ist. Und wenn sich das alles gerade richtig blöd anfühlt, dann sag ihm genau das – er hört dir zu und ist für dich da. Gib ihm deine Unsicherheiten und verlass dich ganz auf ihn.
Worauf freust du dich noch in deinen 20ern?
Lorna: Ich habe so viele kleine und große Pläne. Ich möchte lernen, wie man Tofu lecker zubereitet, ich möchte mir Stricken beibringen, ich möchte meine Bachelorarbeit schreiben und den Jakobsweg pilgern. Darauf freue ich mich.
Julia: Ich freu mich darauf noch mehr von der Welt zu entdecken, große Entscheidungen zu treffen und das Leben so zu genießen, wie es kommt.