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Mein Garten - dein Garten

Wie du gesunde Grenzen setzt

und warum das so wichtig ist.
Sie beschützen die Beziehung zu dir selbst. Wenn du Grenzen setzt und Limits hast, weißt du ganz genau, wo du beginnst und wo du aufhörst.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich vor einigen Jahren an meinem absoluten Tiefpunkt angekommen war. Die einfachsten Dinge überforderten mich, ich kämpfte täglich mit Panikattacken und musste viele Situationen, die zuvor zur Normalität gehört hatten, meiden. Letztendlich konnte ich weder arbeiten noch mein Studium beenden.

Mittlerweile weiß ich, dass es viele kleine Bausteine waren, die den Turm zum Einsturz gebracht hatten. Und einer der Wichtigsten davon, hatte mit meinen Grenzen zu tun. Ich wollte es immer allen Menschen rechtmachen und dabei übernahm ich mich regelmäßig selbst. Ich wollte bloß niemanden enttäuschen und fühlte mich sehr schnell für alles und jeden verantwortlich, vor allem für diejenigen, die mir am wichtigsten waren. Das Konzept von Grenzen war mir damals nicht bekannt. Heute ist es einer der wichtigsten Bausteine, auf denen ich Beziehungen aufbaue.

Was sind gesunde Grenzen?

Gesunde Grenzen verlaufen für mich dort, wo ich anfange und die andere Person endet. Klingt kompliziert? Lass es mich erklären:

Stell dir vor, du hast ein Haus und einen Garten. Nebenan wohnt dein Nachbar. Er hat ebenfalls ein Haus mit Garten. Für alles was auf deinem Grund und Boden geschieht bist du verantwortlich. Für alles was auf dem Nachbargrundstück geschieht, dein Nachbar. Um die Verantwortungsbereiche klarer abzugrenzen, stellst du einen Zaun auf. Der Zaun ist außerdem ein Schutz vor Gefahren und Eindringlingen von außen.

Du, dein Haus und dein Garten stehen sinnbildlich für deine Gefühle, deine Gedanken und deine Entscheidungen. Dein Nachbar, sein Haus und sein Garten wiederum für die seinen. Der Zaun versinnbildlicht die Grenzen, die du setzt. Denn du allein bist für deine Gefühle, deine Gedanken und deine Entscheidungen verantwortlich. Und um das für dich und deinen Nachbarn klar zu machen, ist es wichtig Grenzen zu ziehen.

Wofür sind Grenzen da?

Gesunde Grenzen beschützen die Beziehung zu dir selbst. Wenn du Grenzen und Limits hast, weißt du ganz genau, wo du beginnst und wo du aufhörst. Du vertraust dir selbst und kannst mit Überzeugung kommunizieren, was du dir gefallen lässt und was nicht. Grenzen bauen Selbstvertrauen und definieren, wofür du wirklich verantwortlich bist und wofür nicht.

Gesunde Grenzen beschützen gleichzeitig auch deine Beziehungen mit anderen. Wenn du weißt, wer für was verantwortlich ist, kannst du dich entspannen. Du musst nicht versuchen Gott im Leben anderer zu spielen, indem du zu viel machst und auch nicht anderen zu viel Platz in deinem Leben einräumen, indem du überall Verantwortung übernimmst. Grenzen sind gut für dich und für andere.

Woher weißt du, dass du Grenzen brauchst?

Hier sind vier Anzeichen, dass du womöglich an deinen Grenzen arbeiten solltest:

  • Du vernachlässigst dich selbst.

„Setzen Sie zuerst Ihre eigene Sauerstoffmaske auf und helfen Sie dann anderen.“, diese Aussage kennt jeder aus dem Flugzeug. Es klingt einfach, aber das ist es oft nicht. Sich um sich selbst zu kümmern ist mehr, als ein bisschen Wellness und ist alles andere als selbstsüchtig. Dazu gehört zum Beispiel Nein zu sagen und sich seiner eigenen Bedürfnisse bewusst zu sein. Und genau wie bei dem Beispiel mit der Sauerstoffmaske wirst du mehr Energie dafür haben anderen zu helfen, wenn du dich erst um dich selbst sorgst.

  • Du fühlst dich überfordert.

Überforderte Menschen haben mehr zu tun, als sie Zeit haben. Heutzutage ist diese Art der Geschäftigkeit normal und das Wohlbefinden vieler Menschen der Preis dafür. Gesunde Grenzen zu verstehen ist ein proaktiver Weg, um herauszufinden, was wirklich machbar ist.

  • Du hegst einen inneren Groll gegen andere.

Wenn wir keine Grenzen setzen, mündet das oft darin, dass wir uns ausgenutzt, frustriert, verärgert, genervt oder verbittert fühlen. Das verändert die Art und Weise wie wir mit anderen umgehen und erlaubt uns nicht, uns in Beziehungen von der besten Seite zu zeigen. Wenn wir einen inneren Groll hegen, tun wir Dinge für andere aus Pflichtgefühl und nicht aus der Freude am Helfen.

  • Du meidest andere Menschen.

Anderen aus dem Weg zu gehen oder sie zu ignorieren sind Vermeidungstaktiken. Wenn du versuchst ein Problem zu umschiffen, verhindert das den Konflikt häufig nicht, sondern schiebt die Notwendigkeit gute Grenzen zu setzen nur auf.

Fühlst du dich angesprochen? Ich bin davon überzeugt, dass jeder von uns bewusst Grenzen setzen und diese auch klar kommunizieren sollte. Gesunde Grenzen sehen für jeden anders aus. Dabei kommt es auf Persönlichkeit, Familienumstände, Zeit und vieles mehr an. Grenzen können außerdem in ganz verschiedenen Bereichen gezogen werden. Nedra Glover Tawwab schreibt in ihrem Buch „Set boundaries, find peace“ über die Bereiche Familie, romantische Beziehungen, Freundschaften, am Arbeitsplatz und über Social Media, dass Grenzen in jedem Bereich anders aussehen, aber überall wichtig sind.

Vielleicht geht es dir jetzt wie mir vor einiger Zeit und du weißt gar nicht wo du anfangen sollst mit dem Grenzen ziehen. Oder du warst eigentlich der Überzeugung, dass du schon ganz gut dabei bist, aber die oben genannten Anzeichen haben trotzdem auf dich zugetroffen. Die Frage, die sich an diesem Punkt stellt, ist: Wie lassen sich gesunde Grenzen identifizieren?

Grenzen identifizieren

Dafür kannst du dir Zeit nehmen, es dir in einer ruhigen Ecke bequem machen und die unten genannten Fragen beantworten. Höre dabei auf deine Gefühle und deine Gedanken. Setze dir Prioritäten und beziehe auch andere Personen ein, die dir wichtig sind und dich gut kennen. Denke daran, dass du beim Kommunizieren der Grenzen klar und bestimmt und trotzdem freundlich sein kannst. Behalte im Hinterkopf, dass es zu deinem Besten ist und auch deine Beziehungen zu anderen auf ein neues Level hebt.

Kümmere dich um deinen Garten. Du bist dafür verantwortlich. Wenn du gut damit umgehst, wird darin viel Schönes wachsen und die Pflanzen können Früchte tragen. Ist das nicht auch ein göttliches Prinzip?

  1. Wie sieht eine gesunde Beziehung in deinen Augen aus?
  2. Wenn du dir deine Antwort zur ersten Frage anschaust: Was sind deine wichtigsten Bedürfnisse in einer Beziehung?
  3. Gibt es eine Beziehung / Freundschaft, die toxisch oder schwierig (geworden) ist oder in der deine Bedürfnisse nicht respektiert werden? (Schau dir gern noch einmal die vier Anzeichen weiter oben im Text an.)
  4. Was für eine Grenze wäre in diesem Fall hilfreich? Schreibe die Grenze auf und überlege, wie du sie am besten kommunizieren kannst.
  5. Kommuniziere die Grenze und stehe zu deiner Entscheidung.

Ruth Rainer

lebt mit ihrer Familie in Berlin und arbeitet als Redakteurin.

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